Ein Film von Chantal Akerman hoch platziert in der Besten-Liste der BBC

Der Film „Jeanne Dielman, 23 Commerce Quay, 1080 Brussels“ der 2015 verstorbenen belgischen Regisseurin Chantal Akerman (Foto) aus dem Jahr 1975 steht auf der Liste der besten nicht-englischsprachigen Filme der BBC auf dem 14. Rang. Obschon dieser in Cannes hochgelobte Streifen kommerziell nicht erfolgreich war, bleibt er der Filmkritik gut in Erinnerung. 

Chantal Akerman hatte mit ihren drei Stunden langen modernistischen Film „Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, wie der Streifen im Original heißt, 1975 beim Filmfestival in Cannes einen Achtungserfolg erzielt. Damals waren so berühmte Filmemacher, wie Rainer Werner Fassbinder, Bernardo Bertolucci und sogar Orson Welles große Anhänger der in Paris lebenden Brüsselerin.

Jetzt erinnerten sich 209 internationale Filmkritiker, darunter 94 Frauen, an diesen Streifen, als sie für den britischen Rundfunk BBC eine Allzeit-Besten-Liste von Filmen aufstellen sollten, die nicht in englischer Sprache gedreht wurden. Hier kommt „Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ auf einen beachtlichen 14. Platz.

Dieser Film erzählt nüchtern die Geschichte der illusionslosen 40 Jahre alten Hausfrau Jeanne Dielman, gespielt von Delphine Seyrig (Foto unten), die so routinemäßig, wie sie ihre Hausarbeit macht, auch Männer empfängt. Diese Männerbesuche sind ihre Art, sich gegen die Gesellschaft und gegen ihren amorphen Sohn aufzubäumen.

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„Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ dauert drei Stunden lang, wurde von einer festen Kamera aufgenommen und hat äußerst lange Szenen. Filmkritiker verglichen Chantal Akermans Werk auf Filmebene mit dem, was James Joyce für die Literatur war… 

Wer war Chantal Akerman?

Die in Paris lebende Brüsselerin wurde 65 Jahre alt und starb plötzlich und unerwartet Anfang Oktober 2015. Vor allem in den 1970er Jahren machte sie bahnbrechende Filme. Ihre Themen waren die Angst und der Feminismus, die sie avantgardistisch in ihren Streifen umsetzte. Sie kam in Brüssel zur Welt, zog mit 20 Jahren nach New York und lebte danach in Paris, wo sie auch starb.

Ihre ersten Filme drehte sie bereits im Alter von 17 Jahren, doch schon ihr erster Film in den USA, der Langspielfilm „Hôtel Monterey“, ließ die Filmwelt aufhorchen. Mitte der 1970er Jahre verließ Chantal Akerman New York in Richtung Paris. Dort schuf sie bahnbrechende Filme, wie 1975 „Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, der als ihr wichtigster Streifen angesehen wird.

Weitere bekannte Filme von ihr sind auch „Je, tu, il, elle“ und „Un divan à New York“ (Eine Couch in New York) mit Juliette Binoche und William Hurt. Bei dieser romantischen aber auch schwarzen Komödie führte der Deutsche Dietrich Lohman die Kamera. 1982 drehte sie eine viel beachtete Dokumentation über Pina Bausch mit dem Titel „Eines Tages fragte mich Pina“ und vier Jahre später produzierte sie den Kurzfilm „Die Trägheit“ für den ZDF-Zyklus „Sieben Frauen, sieben Todsünden“. 

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Ihre Filminstallation „From the other side“ aus dem Jahr 2002 wurde bei der Documenta11 in Kassel gezeigt. Chantal Akerman, Tochter von Holocaust-Überlebenden aus Polen, drehte zeitweise recht radikale Filme, die weit weg vom klassischen Kino oder der Unterhaltung waren.

Erst im Laufe ihrer Karriere wurden ihre Streifen wieder etwas konventioneller und erzählerischer. Sie führte nicht nur Regie, sie schrieb auch ihre Drehbücher meist selber, trat als Schauspielerin auf und komponierte am Rande ihrer rund 40 Jahre währenden Filmkarriere auch Musik nicht nur für das Kino. 2011 wurde ihr letzter Film „La folie Almayer“ beim Filmfestival von Venedig uraufgeführt (Foto oben).

Die besten 15 nicht-englischsprachigen Filme im BBC-Poll

15. Pather Panchali (Satyajit Ray, 1955)

14. Jeanne Dielman, 23 Commerce Quay, 1080 Brussels (Chantal Akerman, 1975)

 13. M (Fritz Lang, 1931)

 12. Farewell My Concubine (Chen Kaige, 1993)

 11. Breathless (Jean-Luc Godard, 1960)

 10. La Dolce Vita (Federico Fellini, 1960)

 9. In the Mood for Love (Wong Kar-wai, 2000)

 8. The 400 Blows (François Truffaut, 1959)

 7. 8 1/2 (Federico Fellini, 1963)

 6. Persona (Ingmar Bergman, 1966)

 5. The Rules of the Game (Jean Renoir, 1939)

 4. Rashomon (Akira Kurosawa, 1950)

 3. Tokyo Story (Yasujirô Ozu, 1953)

 2. Bicycle Thieves (Vittorio de Sica, 1948)

 1. Seven Samurai (Akira Kurosawa, 1954)

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