EU-Klimadiplomat Delbeke vor dem Abschied: „Belgien traut sich nicht, große Entscheidungen zu treffen.“

Der belgische EU-Diplomat Jos Delbeke (Foto) zieht sich in einigen Monaten aus dem aktiven Dienst zurück. Jahrelang war Delbeke Generaldirektor der Klimabehörde der EU-Kommission und derzeit ist er noch „senior adviser“ von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. In einem Gespräch mit der flämischen Sonntagszeitung De Zondag kritisiert er die Klimapolitik der belgischen Bundesregierung, der er vorwirft, in dieser Hinsicht keinen Tatendrang an den Tag zu legen.

„Unser politisches System lässt Tatkraft vermissen. Wir haben vier Minister, die für Energie befugt sind. Und die streiten sich darüber, wer Verantwortung hat. Klima und Energie sollten wieder Befugnisse der Bundesregierung werden.“, so Jos Delbeke in De Zondag.

Für den ehemaligen Generaldirektor der Klimabehörde der EU-Kommission ist das größte Hemmnis für eine durchgreifende Klimapolitik in Belgien das Transportwesen: „Der Transport ist das größte Problem in unserem Land. Ich sehe absolut keine koherente Politik. (…) Jeder weiß, was passieren muss. Die Nutzung des Autos muss teurer werden und der öffentliche Nahverkehr billiger.“

Laut Delbeke traut sich die belgische Bundesregierung in Sachen Klimapolitik zu wenig zu: „Ich stelle fest, dass sich unser Land nicht traut, große Entscheidungen zu treffen und vor allem, Entscheidungen auch umzusetzen. Ich befürchte, dass unser politisches System Tatkraft vermissen lässt.“  

„Ich stelle fest, dass sich unser Land nicht traut, große Entscheidungen zu treffen und vor allem, Entscheidungen auch umzusetzen.“

Jos Delbeke

Obschon Jos Delbeke die allgemeine Energie- und Klimapolitik in Belgien scharf kritisiert, nennt er in De Zondag zumindest eine Ausnahme und zwar den Energieminister des belgischen Bundeslandes Flandern, Bart Tommelein von den flämischen Liberalen Open VLD. Tommelein, so Delbeke, fördere zumindest umfassend den Enthusiasmus in Sachen erneuerbare Energie. 

„Die Grünen müssen irgendwann doch mal aus ihrer Muschel kommen. Von Kernkraftwerken wollen sie nichts wissen, von Gaskraftwerken aber auch nicht.“

Jos Delbeke

Der scheidende belgische EU-Diplomat kritisiert in diesem Zusammenhang aber auch die grüne Bewegung in Belgien: „Die Grünen müssen irgendwann doch mal aus ihrer Muschel kommen. Von Kernkraftwerken wollen sie nichts wissen, von Gaskraftwerken aber auch nicht.“ Für Delbecke hat die Kernenergie ausgedient. Er glaubt, dass diese Form der Energiegewinnung auf Dauer die teuerste Form der Stromproduktion sein wird.

Er bevorzugt bis auf weiteres die Elektrizitätsgewinnung aus Gaskraftwerken. Hier könne seiner Ansicht nach der CO2-Ausstoß weiträumig abgefangen werden. Gaskraftwerke haben für ihn den Vorteil, dass man sie abschalten und rasch wieder hochfahren kann. Atommeiler produzieren nonstop und können nur mit großen Aufwand angeschaltet werden. 

Weitere Nachrichten