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"Willkommen in Belgien, im Land der Schokolade, des Biers und der Grillen!"

„Da drin sind jetzt gleich 30 Grad“, erklärt der Bio-Ingenieur Raphaël Dupriez. Der junge Belgier züchtet Grillen in einem Raum, der die Größe eines mittleren Büroraums hat und der in einem Büro- und Werkstätten-Komplex im Brüsseler Stadtteil Laeken, nördlich der Innenstadt, liegt. Raphaël ist Mitbegründer des Business-Projekts, wie er es nennt. Die 3 Millionen Grillen, die hier in einem Monat verarbeitet werden, sind zum Verzehr für uns Menschen gedacht.

An diesem Tag dürfen zahlreiche Vertreter von Kommunalbehörden aus ganz Europa und internationale Lobbyisten der Nahrungsmittelindustrie und für Wirtschaftsentwicklung die Brutstätte der Grillen besichtigen. Die Tierchen wimmeln über Eierschachteln, schlüpfen in die Spalten und Hohlräume abwechselnd vom Schatten ins Licht.

Irgendwann hatten Nahrungswissenschaftler die Idee, 2 Milliarden Menschen zu imitieren, denn so viele Menschen essen bereits Insekten in der Welt, vor allem in Afrika, Asien, Südamerika und Australien, erklärt Dupriez. Die Grillenzucht und -verarbeitung in Brüssel hat er gemeinsam mit einigen anderen jungen Bio-Ingenieuren vor rund 5 Jahren unter der Marke „little food“ gegründet.

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Drei Mal mehr Proteine als ein Steak

Eine Karte an der Wand zeigt, welche wichtigen Nährstoffe, die wir zum Leben brauchen, diese Grillen liefern. Sie sind reich an hochwertigen Eiweißen. Sie haben drei Mal mehr Proteine als ein Steak. Sie sind außerdem reich an  Mineralien und Vitaminen, zum Beispiel an Vitamin B12. Eine Grille enthält übrigens genauso viel Omega 3 wie eine Sardine. Und Grillen sind ein Cocktail mit antioxidativen Eigenschaften. „Sie enthalten doppelt so viel Eisen wie Spinat“ ist auf dem Plakat auch noch zu lesen.

Fast die Hälfte des ökologischen Fußabdrucks wird dem heutigen Nahrungsmittelsystem zugeschrieben. Der Tierkonsum hat einen großen Anteil daran. „Das ist eine gemeinsame Herausforderung, die wir angehen müssen“, betont Dupriez. „Wie können die Menschen aus ihrer Komfortzone gelockt werden und Neues ausprobieren, um auf die Herausforderungen antworten zu können?"

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Grillen, die Nahrung der Zukunft?

Verglichen mit konventioneller Viehzucht ist weniger Platz und weniger Wasser nötig, um Insekten zu züchten. Sie sind also nachhaltiger als Fleisch. Mit Crowdfunding hat “little food“ die kleine Farm isoliert und in einen Wärmetauscher investiert. Für die nächste Zucht will Dupriez auch ökologische Wärmequellen wie Solarenergie einsetzen. Gefüttert werden die kleinen Tierchen übrigens mit biologischen Lebensmitteln, d.h. mit Nebenprodukten der Nahrungsmittelindustrie, Rückstände der Ölgewinnung aus Bio-Leinsamen und Bio-Sonnenblumen. Das sei sehr effizient, „denn ein Kilogramm dieser Rückstände können die Grillen in 700 Gramm Nahrung für uns umwandeln.“

Schon allein aus all diesen Gründen seien Insekten und damit seine Grillen die Nahrung der Zukunft.

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Und wie enden die Lebewesen, bevor sie in unserem Bauch enden?

"Wir töten die Grillen im erwachsenen Alter durch Verbrühen“, so der Bio-Ingenieur von „little food“. „Aufgrund ihrer kleinen Größe und ihres gering entwickelten zentralen Nervensystems werden sie durch das kochend heiße Wasser direkt und auf schmerzfreie Weise getötet“, ist auf der Webseite des Unternehmens noch zu lesen. Außerdem sei der thermische Schock gleichzeitig eine Methode der Entkeimung.

Später landen die Grillen in der Küche und werden verarbeitet. „Wir können sie Soßen hinzufügen, trocknen oder zermahlen.“ Auch als geröstete Tierchen oder geräuchert  werden sie angeboten und manchmal sogar als „Streichpaste“ zubereitet. „Es gibt viele Möglichkeiten sie zu essen“, so der Belgier. Verkauft werden die Grillen in Bioläden und Bio-Supermärkten an zahlreichen Orten in ganz Belgien.

„Ich überlasse es Ihnen, sich an die Tierchen zu gewöhnen und wenn Sie gleich dort hineingehen, auch wie Sie reagieren wollen!“

„Willkommen im Land der Schokolade, des Biers und der Grillen!“

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