Sabotage: Wurde Beweismaterial in einem Mordprozess gegen einen Politiker vernichtet?

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft untersucht, ob im Mordfall Christian Van Eycken (Foto) absichtlich Beweismaterial vernichtet worden ist. Van Eycken steht unter dem Verdacht, 2014 gemeinsam mit seiner damaligen Geliebten und heutigen Ehefrau deren Ehemann ermordet zu haben. Vor einigen Monaten ist eine DVD mit Beweismaterial zu den beiden Verdächtigen vernichtet worden. Einige Tage vor Prozessbeginn ist offenbar die Rede von Sabotage.

Die DVD, um die es bei den Ermittlungen der Brüsseler Staatsanwaltschaft gerade geht, gilt als wichtigstes Beweisstück im Verfahren gegen den Politiker Christian Van Eycken, dem früheren einzigen frankophonen Abgeordneten im flämischen Landesparlament, in das er für die Partei Défi/Union des Francophones in Flämisch-Brabant gewählt worden war, und dessen Ehefrau. Darauf ist zu sehen, wie sich die beiden Verdächtigen zur Tatzeit am Appartement des Mordopfers aufhält. Doch diese DVD ist vor einigen Monaten vernichtet worden.

„Es wurde eine gerichtliche Untersuchung in Sachen Informatiksabotage und Vernichtung von materiellen Gütern zum öffentlichen Zweck eröffnet. Vorläufig gilt niemand als verdächtig.“, sagte Denis Goeman von der Brüsseler Staatsanwaltschaft am Donnerstag gegenüber VRT NWS. Die beiden Hauptverdächtigen in diesem Mordfall wurden bereits zu diesem Vorgang verhört, so die Staatsanwaltschaft. Alle Verhandlungsparteien verfügen allerdings über eine Kopie der fraglichen DVD. Ob dies allerdings ein Problem für den Prozess sein wird, muss sich bei Prozessbeginn am Montag noch erweisen.

Was vorher geschah

Christian Van Eycken steht unter dem dringenden Verdacht, gemeinsam mit seiner damaligen Geliebten und heutigen Ehefrau deren Ehemann umgebracht zu haben. Die Ermittlungen der Justiz haben ergeben, dass sich die damalige Geliebte Christian Van Eyckens, seine Mitarbeiterin im flämischen Landesparlament, zum Zeitpunkt des Todes von ihrem Ehemann scheiden lassen wollte. Ihr Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten sei dafür der Grund dafür gewesen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Das flämische Parlament hatte die parlamentarische Immunität des Angeordneten Van Eycken am 6. Januar 2016 auf Empfehlung der Staatsanwaltschaft aufgehoben und tritt in diesem Verfahren als Nebenkläger auf. Christian Van Eycken selbst und dessen Partnerin weisen nach wie vor alle Schuld von sich.

Verdächtige nicht mehr in Haft

Im Juli 2014 fand die Polizei die Leiche eines 45 Jahre alten Mannes in seinem Bett im Brüsseler Ortsteil Laken. Der Mann wies eine Schussverletzung im Hinterkopf auf. Die damals 38 Jahre alte Frau des Getöteten hatte seinerzeit die Polizei alarmiert. Diese Frau war damals die Sekretärin von Christian Van Eyken, der auf der frankophonen Einheitsliste Union des Francophones (heute Défi) an den flämischen Landtagswahlen in der Provinz Flämisch-Brabant teilgenommen hatte und ins Landesparlament gewählt wurde.

Kurz danach wurde der nun ehemalige Abgeordnete wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft genommen. Van Eycken wurde aber aufgrund eines Formfehlers rasch wieder freigelassen. Auf dem Haftbefehl fehlte die Unterschrift des Ermittlungsrichters, der die Verhaftung angeordnet hatte. Dies ist aber gesetzlich vorgeschrieben.

Das bedeutete, dass Christian Van Eycken in Erwartung eines möglichen Prozesses gegen ihn, nicht mehr ins Gefängnis musste. Trotz Mordverdacht war damit eine Untersuchungshaft nicht mehr möglich. Seine heutige Ehefrau verbrachte allerdings einige Zeit in Untersuchungshaft, wurde aber später mit einer Fußfessel zur elektronischen Überwachung aus der U-Haft entlassen. 

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