Marcel Terfve fiel noch in den letzten Minuten des Ersten Weltkriegs

Marcel Toussaint Terfve (Foto), ein junger Versicherungsinspektor aus Lüttich, ist der letzte belgische Soldat, der am Ende des Ersten Weltkriegs noch gefallen ist. Am 11. November 1918 um 11 Uhr am Vormittag schwiegen die Waffen nach vier Jahren Krieg. Terfve aber wurde nur eine Viertelstunde zuvor am Kanal Gent-Terneuzen unweit der ostflämischen Ortschaft Kluizen tödlich von einer feindlichen MG-Kugel getroffen.

Marcel Toussaint Terfve, geboren am 2. Dezember 1892 in Flémalle bei Lüttich als Sohn eines Notargehilfen und einer Hausfrau - seine Mutter war Französin -  war Versicherungsinspektor. Wie viele andere junge Belgier auch hatte er sich 1914 freiwillig zur Armee gemeldet  als die Deutschen Belgien angriffen und wurde dem 1. Infanterieregiment in der 3. Kompagnie einverleibt. Terfve hatte zu Beginn des Krieges an der Ijzer-Schlacht teilgenommen und auch an den Kämpfen um Dixmuide.

In den vier folgenden Kriegsjahren verblieb er zumeist an der Westfront in den Schützengräben auf den flämischen Schlachtfeldern. Zwischendurch folgte Terfve militärischen Ausbildungen in Frankreich und sollte Leutnant werden, doch er zog es letztendlich vor, als Korporal bei der Truppe zu bleiben.

Am Morgen des 11. November, Deutschland stand nur Stunden vor der Kapitulation und Kaiser Wilhelm II. war zwei Tage zuvor abgetreten, erreichte seine Einheit das linke Ufer des Kanals Gent-Terneuzen bei Kluizen. Gegen 6 Uhr 40 erreichte die 3. Kompagnie des 1. belgischen Infanterieregiments die Meldung, dass ein Waffenstillstand kurz bevorstand. Ab 11 Uhr sollten die Waffen schweigen. 

Gegen 6 Uhr 40 erreichte die 3. Kompagnie des 1. belgischen Infanterieregiments die Meldung, dass ein Waffenstillstand kurz bevorstand. 

Antoine Fonck, der erste gefallene belgische Soldat

Die Daten 4. August 1914 - Beginn des Ersten Weltkriegs und Einmarsch der Deutschen im neutralen Belgien - sowie der 11. November 1918 - Ende des Ersten Weltkriegs und Kapitulation Deutschlands - sind in der Geschichtsschreibung fest verankert. Diese Daten und der vierjährige schreckliche „Große Krieg“ mit alleine weltweit 9,7 Millionen gefallenen Soldaten lassen oftmals einzelne Schicksale dahinter verblassen.

Antoine Fonck und Marcel Terfve sind eigentlich weltweit Unbekannte. In Belgien jedoch kennen sie noch viele, wenn auch Terfve mit seinem vielleicht eher ruhmlosen Tod in der offiziellen Geschichte unseres Landes nur am Rande erwähnt wird. Fonck aber starb einen Heldentod und ihm wird deshalb wesentlich mehr Ehre zuteil.

Der junge Kavallerist des 2. belgischen Lanzenreiter-Regiments war am Morgen des 4. August den Aufzeichnungen zufolge alleine unterwegs. 

Kavallerist Antoine-Adolphe Fonck, war zum Zeitpunkt des deutschen Angriffs 21 Jahre alt. Er stammte aus Verviers, ungefähr auf halbem Weg zwischen Aachen und Lüttich. Der junge Kavallerist des 2. belgischen Lanzenreiter-Regiments war am Morgen des 4. August den Aufzeichnungen zufolge alleine unterwegs. Er führte wohl einen Aufklärungsritt aus, als er auf Höhe von Thimister-Clermont im Herver Land in der Provinz Lüttich auf deutsche Soldaten stieß.

Fonck hatte sich dem Kampf gestellt und alleine auf die vorrückenden Feinde gefeuert. Ob er deutsche Soldaten getroffen hat, ist unbekannt. Er allerdings wurde tödlich getroffen. Bis heute ist unklar, wer seinen Leichnam entdeckte. Verschiedenen Quellen zufolge bargen ihn entweder Kameraden seines Regiments oder Einwohner von Thimister. Sein Grab jedenfalls ist auf dem Friedhof dieses kleinen Örtchens zu finden und seit 1923 befindet sich dort auch ein Denkmal zu seinen Ehren (Foto unten). Antoine Fonck, der zwar aus dem nahegelegenen Verviers stammte, ist durch seinen Tod zum Ehrenbürger von Thimister geworden.

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