Einweihung neues Friedensglockenspiel für Leuven hundert Jahre nach Kriegsende

Am Sonntag, den 11. November 2018, genau 100 Jahre nachdem alle Glocken in Belgien und Frankreich erklangen, um den wiedergewonnenen Frieden nach dem Ersten Weltkrieg zu feiern, wurde in der Leuvener Parkabtei ein neues Friedensglockenspiel eingeweiht. Der Guss der 40 Glocken geht auf eine erfolgreiche Spendenaktion in den Städten Leuven und Neuss zurück. 

300 Spender trugen in den vergangenen zwei Jahren rund 600.000 Euro zusammen, eine der beiden größten Glocken stiftete die deutsche Stadt Neuss. Aber auch Einzelspender und Zuwendungen von Vereinen trugen zu dem Gelingen dieses Friedenswerkes bei. Zur Feierstunde der Glockenspiel-Einweihung reiste deshalb am heutigen Sonntag eine große Delegation aus Neuss nach Leuven (dt.: Löwen).

Beim Festakt zur Einweihung sprach auch Stadtarchivar Jens Metzdorf. Mit seiner vor vier Jahren vorgelegten historischer Aufarbeitung des Massakers von 1914 begann erst die Aussöhnung zwischen den beiden Städten.

Parkabtei

Seit 1730 hatten 40 Glocken zunächst ihren Platz in der Norbertinerabtei von Park, bis sie in die Leuvener Stadtkirche St. Petri überführt wurden. Dort fielen sie 1914 während des Ersten Weltkriegs den großen Zerstörungen der Stadt durch deutsche Truppen zum Opfer. Maßgeblich beteiligt war damals ein Neusser Landsturm-Infanterie-Bataillon. Als konkretes Symbol des Friedens und der Versöhnung half Neuss der Stadt Leuven, das Glockenspiel an seinem Ursprungsort in der Parkabtei wiederherzustellen.

Frieden und Versöhnung sind immer möglich, egal wie tragisch eine geteilte Vergangenheit auch ist.
Denise Vandevoort, Leuven

Die zwei Bürgermeister Louis Tobback von Leuven und Reiner Breuer von Neuss unterzeichneten im August 2016 eine Vereinbarung, die darauf abzielte, durch kulturelle Zusammenarbeit neu zu verbinden, was ehemals von Flammen getrennt wurde.

Die Zusammenarbeit zwischen Leuven und Neuss “beweist auch, dass Frieden und Versöhnung immer möglich sind, wie tragisch eine geteilte Vergangenheit auch ist. Das Friedensglockenspiel wird diese hoffnungsvolle Friedensbotschaft weiter verbreiten für Leuven, Neuss und für die Welt”, so die Kulturdezernentin der Stadt Leuven, Denise Vandevoort.

Stadtrat von Neuss benennt die Schuld von Neusser Soldaten am Massaker von Leuven

100 Jahre nach Ende des brutalen Krieges stellt sich die Stadt Neuss der historischen Verantwortung für die Gräueltaten des Jahres 1914. Am vergangenen Freitag verabschiedete der Neusser Stadtrat einstimmig eine Resolution für den Frieden.

In dieser Neusser Erklärung bekennt sich die Stadt zu einer Schuld, die kurz nach Ausbruch des Krieges im August 1914 das Neusser Landsturm-Infanterie-Bataillon auf sich und die Stadt geladen hat. Damals war die Truppe maßgeblich für eine völlig ungerechtfertigte Strafaktion verantwortlich, bei der Hunderte Zivilisten ums Leben kamen und ein Teil der Altstadt von Leuven in Schutt und Asche gelegt wurden. 100 Jahre später stellt Bürgermeister Reiner Breuer fest: „Wir ergreifen dankbar die ausgestreckte belgische Hand der Versöhnung.“

Mit dem Brand der Altstadt wurde auch der historische Carillon , ein bespielbares Glockenspiel, vernichtet. Dieses Glockenspiel mit 40 Glocken wurde jetzt als europaweit beachtetes, grenzüberschreitendes Friedenssymbol rekonstruiert und am heutigen Sonntag zum ersten Mal bespielt (Foto).

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