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Fußballskandal in Belgien: Untersuchungsrichter soll wegen Befangenheit abgerufen werden

Untersuchungsrichter Joris Raskin vom Gerichtsbezirk Tongeren in der Provinz Limburg darf die Ermittlungen im belgischen Fußballskandal nicht weiter leiten. Das Berufungsgericht in Antwerpen ist der Ansicht, dass Raskin eine Zeit lang Mitglied der Lizenzkommission des belgischen Fußballbundes war und dies noch zu einer Zeit, als die Ermittlungen im Fußballskandal bereits liefen.

Hans Rieder (Foto unten, links), der Anwalt des wegen Betrug und Matchfixing in Haft befindlichen Schiedsrichters Bart Vertenten (Foto unten, rechts), hatte in Berufung die Abberufung von Untersuchungsrichter Joris Raskin erreicht. Vertenten (30) befindet sich seit dem 11. Oktober wegen Korruption, Matchfixing und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft. Anwalt Rieder verlangte nach der Urteilsverkündung in Antwerpen, dass sein Mandant „unverzüglich freigelassen werden muss“.

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Untersuchungsrichter Raskin gilt als befangen, da er zu Beginn der Ermittlungen im belgischen Fußballskandal gleichzeitig Mitglied in der Lizenzkommission des Königlichen Belgischen Fußball-Verbandes (KBVB) und Untersuchungsrichter im vorliegenden Fall war.

Anwalt Rieder erklärte am Montag zum wiederholten Mal, warum er gegen Raskin wegen Befangenheit geklagt habe: „Ich finde, es kann nicht sein, dass ein Untersuchungsrichter, der eine Funktion beim Arbeitgeber meines Mandanten bekleidet, gleichzeitig ein Urteil über diesen fällen darf.“

In einer ersten Instanz hatte die Bundesstaatsanwaltschaft eine Befangenheitsklage gegen Raskin noch zurückgewiesen, denn die Lizenzkommission des KBVB habe nichts mit dem Einsatz von Schiedsrichtern zu tun, doch das Berufungsgericht in Antwerpen verwarf diese Argumente am Montag. Gegen dieses Urteil kann die Bundesstaatsanwaltschaft allerdings noch in Kassation gehen.

Was kann dieses Urteil für Folgen haben?

In einer ersten Instanz muss ein neuer Untersuchungsrichter mit dem Fall betraut werden. Seit der ersten Befangenheitsklage von Vertenten-Anwalt Rieder wurde bereits ein Jurist angestellt, um Raskins Nachfolger zu werden. Dieser ist eingearbeitet und wird den Fall wohl sofort übernehmen können.

VRT-Justizjournalistin Caroline Van den Berghe gab dazu an, dass Anwalt Hans Rieder noch weitergehen könnte und auf weitere Verfahrensfehler hinweisen kann: „Wenn man hört, dass die Möglichkeit der Voreingenommenheit bei einem Untersuchungsrichter besteht, könnte man dies auf alle Ermittlungstätigkeiten bis jetzt ausweiten, z.B. auf die Verhaftungen, die Verhöre, aber auch auf die abgehörten Telefongespräche. Diese könnten eventuell für nichtig erklärt und in den Müll geworfen werden. Wenn die Verteidigung von Schiedsrichter Vertenten dieses Argument vorbringt, muss sich ein anderer Richter dazu äußern.“

Soweit muss es laut Kollegin Van den Berghe aber nicht unbedingt kommen, doch ihrer Ansicht nach wird es Anwalt Rieder darauf anlegen. 

Der belgische Fußballskandal kurz zusammengefasst

Seit etwa Mitte Oktober wird in Fußballkreisen in Belgien gegen über 20 Personen - Spieler, Schiedsrichter, Spielermakler, Trainer - wegen Matchfixing, aktive und passive Korruption, Unterschlagung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Steuerhinterziehung ermittelt. Dabei geht es um Geldwäsche und Steuerhinterziehung bei Spieler- und Trainertransfers und um Matchfixing.

Der derzeitige Zweitligist KV Mechelen, bzw. wichtige Akteure innerhalb dieses Vereins, stehen unter Verdacht, mit Schmiergeldern und anderen Möglichkeiten versucht zu haben, den Club vor dem Abstieg in der letzten Saison zu bewahren. Beide Fälle kreuzen sich, weil einige der Beteiligten in beide Vorgänge verwickelt sind.

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