UB-29: Deutsche U-Boot-Kanone aus dem Ersten Weltkrieg für das Armeemuseum in Brüssel

Carl Decaluwé, der Gouverneur der Provinz Westflandern, hat eine vom im September 2017 vor der belgischen Nordseeküste entdeckten deutschen U-Boot stammende Bordkanone am Montag offiziell dem War Heritage Institute im Brüsseler Armeemuseum übertragen. Diese Kanone, die auf dem Deck der UB-29 stand, wurde erst im Februar aus der Nordsee geborgen.

Im September 2017 entdeckte der flämische Maritim-Archäologe Tomas Termotte das praktisch völlig intakte Wrack eines deutschen U-Boots aus dem Ersten Weltkrieg. Das U-Boot konnte anhand einer kleinen Plakette (Foto unten) als UB-29 identifiziert werden, das im Dezember 1916 mit seiner 22-köpfigen Besatzung vor Ostende gesunken war.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Das Schicksal des deutschen U-Boots UB-29 bleibt ein Geheimnis. Es wurde 1915 gebaut, war 36 Meter lang und 4 Meter breit. Bewaffnet war es mit zwei Torpedo-Rohren und einem Deckgeschütz, das jetzt ins Armeemuseum im Brüsseler Jubelpark kommen wird. Während des knapp einen Jahres, in dem UB-29 im Einsatz war, versenkte es 36 Schiffe mit seinen Angriffen bei denen auch zahlreiche weitere Schiffe getroffen und beschädigt wurden.

Zu den versenkten Schiffen gehörte auch die Kanalfähre „Sussex“, die am 24. März 1916 ohne Vorwarnung vor dem nordfranzösischen Dieppe von einem UB-29-Torpedo getroffen wurde. Die USA hatten diesen Angriff der Deutschen damals aufs Schärfste verurteilt, weil sich an Bord der „Sussex“ an diesem Tag viele Amerikaner befanden, die alle dabei ums Leben gekommen waren. 

Ungelöste Rätsel, erlöste Nachkommen

Warum dieses U-Boot, dass am 13. Dezember 1916 spurlos verschwand, gesunken ist, bleibt unklar. Ursprünglich, d.h. bis zum September 2017, ging die Geschichtsschreibung davon aus, dass die UB-29 (Foto unten) von der HMS „Landrail“ der britischen Kriegsmarine vor Dover versenkt worden ist, doch durch die Tatsache, dass das Wrack vor Ostende und in perfektem Zustand entdeckt wurde, ist diese Theorie vom Tisch.

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Die Kanone, die Westflanderns Provinzgouverneur Decaluwé dem Armeemuseum in Brüssel übertragen hat, hat das Kaliber 8,8 cm und wurde von der Rheinische Metallwarenfabrik (heute Rheinmetall) in Düsseldorf gegossen. Die genaue Lage des Wracks geben die Behörden nicht frei, um Schatzsucher und Abenteurer fernzuhalten. Die deutsche Bundesregierung hatte beschlossen, die Besatzung der UB-29 in ihrem Seemannsgrab irgendwo vor Ostende ruhen zu lassen.

Die UB-29 ist inzwischen von der flämischen Landesregierung als Kulturerbe anerkannt worden. Inzwischen haben VRT-Journalisten im Rahmen der Sendereihe „Nooit meer ten oorlog“ (zu Deutsch „Nie wieder in den Krieg“) Angehörige von an Bord dieses deutschen U-Bootes ausfindig machen können. Sie übergaben ihnen Meeressand, der aus dem Wrack des Unterseebootes stammt. Gerührt nahmen die Betroffenen zur Kenntnis, dass ihre „verlorenen Vorväter“ jetzt endlich offiziell ihre Ruhestätte hätten… 

(Historische Fotos: U-Boot-Archiv Cuxhaven)

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