Droht doch Stromknappheit? Energieministerin sauer auf Engie Electrabel

Einige Wochen lang war nur einer der sieben belgischen Kernreaktoren am Netz und produzierte Strom. Alle anderen Meiler waren wegen Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten abgeschaltet. Seit Anfang der Woche produzieren wieder zwei Reaktoren Elektrizität, doch jetzt meldet Energieproduzent Engie Electrabel, dass einige Meiler länger abgeschaltet bleiben, da sich neue Probleme aufgetan haben. Das bedeutet, dass Belgien eine eventuelle Stromknappheit Anfang 2019 drohen könnte.

Nach der Panik wegen der Tatsache, dass eine Zeit lang nur ein Kernreaktor in Belgien Strom produzierte - der Meiler Doel 3 - folgte am Montag Erleichterung, als Tihange 1 wieder hochgefahren werden konnte. Doch das Aufatmen dauerte nicht lange, denn am Mittwoch kündigte Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel an, dass die Reparaturen von Doel 1 länger dauern würden - etwa bis Ende Januar. Rasch kam die Frage auf, wie es denn um den baugleichen Reaktor Doel 2 bestellt sei? Doel 1 weist schwerwiegende Probleme an den Leitungen eines Kühlsystems auf und Doel 2 könnte demnach die gleichen Fehler aufweisen.

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Für Belgiens Energieministerin Marie-Christine Marghem (MR - Foto) ist nur eines klar, nämlich dass es zu Weihnachten ausreichend Strom für die Christbaumbeleuchtung geben wird… Diese neuen Meldungen sorgten dafür, dass Marghem eine Ägyptenreise absagen musste, weil die Energie-Task-Force zusammengerufen wurde. Jetzt ist die Ministerin sauer und zwar auf den Energiekonzern, den staatlichen französischen Mischkonzern Engie (früher GDF Suez), der in Belgien Stromproduzent und Kraftwerksbetreiber Electrabel in Händen hält. 

„Schon seit Jahren investiert Engie zu wenig in die belgischen Kernkraftwerke!“

Belgiens Energieministerin Marie-Christine Marghem

Als eine Engie Electrabel-Sprecherin andeutete, dass ihr Konzern alles daransetzen würde, alle Reaktoren so schnell wie möglich ans Netz zu bringen, platzte Ministerin Marghem der Kragen: „Electrabel hängt am Tropf eines Großunternehmens und dieses Unternehmen, das außerhalb des belgischen Staatsgebiets liegt, betrachtet Belgien vielleicht als ein zu vernachlässigendes Element. (…) Ich fange langsam an, mich aufzuregen…“ Sie ging in ihrer Kritik noch weiter: „Schon seit Jahren investiert Engie zu wenig in die belgischen Kernkraftwerke!“

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Noch am Mittwoch wies Engie diese Kritik zurück und gab an, jährlich rund 200 Mio. € in den Unterhalt der belgischen Kernkraftwerke zu investieren. Wer hat jetzt recht?

Die Atomkraft in Belgien steht einmal mehr am Pranger. Diesmal richtet sich die Kritik nicht mehr nur gegen eventuelle Sicherheitsprobleme. Derzeit muss man sich die Frage stellen, ob diese Anlagen überhaupt noch die Stromversorgung in unserem Land garantieren können. VRT NWS-Energiespezialist Luc Pauwels geht davon aus, dass die durch diese fortlaufenden Probleme wohl steigenden Strompreise wohl an die Endverbraucher weitergegeben werden… 

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