Fleischschwindel? Wo kommt belgisches Fleisch mit dem Label "Belbeef" wirklich her?

Bei einem Drittel des Rindfleischs mit belgischem (Qualitäts)-Etikett, das in den belgischen Supermärkten angeboten wird, kann die Herkunft nicht zurückverfolgt werden. Das geht aus einer Untersuchung von Febev, dem belgischen Fleischverband hervor. Die VRT konnte die Studie einsehen. Das Qualitätslabel “Belbeef”, soll garantieren, dass das Fleisch von Rindern stammt, die in Belgien korrekt gezüchtet wurden. Das Etikett scheint unzuverlässig zu sein und dennoch greift niemand ein.

Wenn wir im Supermarkt Rindfleisch mit einem belgischen Qualitätslabel kaufen, können wir offenbar gar nicht sicher sein, wo das Fleisch tatsächlich herkommt. Das Qualitätslabel “Belbeef” soll eigentlich garantieren, dass das Fleisch von qualitativ hochwertigen Rindern aus Belgien stammt. Normalerweise sollte sich die Herkunft des Fleisches bis zum einzelnen Tier oder einer Gruppe von Tieren zurückverfolgen lassen. Doch die Studie von Febev zeigt, dass das in einem Drittel der Fälle von „Belbeef-Fleisch“ nicht möglich ist. Die Information über die Herkunft des Fleisches ist Pflicht in Belgien. Sie soll dem Verbraucher u.a. vor dem Hintergrund der Rinderkrankheit BSE mehr Sicherheit geben. Der belgische Fleischverband hat selbst auch schon festgestellt, dass das eigene Qualitäts-Etikett häufig zu Unrecht auf Verpackungen steht.

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Wie funktioniert die Etikettierung normalerweise?

Jedes Rind, das in Belgien geschlachtet wird, erhält eine einzigartige Referenznummer. Diese Zulassungsnummer am Ohr des Tieres wird zu einer Zerlegungs- und Verarbeitungschargennummer umgewandelt. Diese verbleibt normalerweise durchgängig bis zum Verbraucher bei dem Erzeugnis. Auf diese Weise soll die Herkunft des Fleisches zurückverfolgbar sein und garantiert werden.

Die Schlachthäuser müssen das Ohr eines jeden Rindes bewahren, um die Rückverfolgung zu garantieren. Doch hier läuft offenbar einiges schief. Der Kontrolltest von Febev zeigt nämlich, dass diese Rückverfolgung bei einem Drittel des Fleisches nicht möglich ist. Die Nummer auf der Verpackung stimmt zwar mit der Nummer auf dem Ohr im Schlachthaus überein, aber DNA-Tests haben ergeben, dass das Fleisch nicht vom gleichen Rind stammt.

Auch schienen nicht alle Ohren für die 34 Proben zum Abgleich zur Verfügung zu stehen. Das wäre aber Pflicht gewesen. Nur für 18 Fleischproben konnte ein Ohr mit der passenden Nummer gefunden werden.

Essen wir nun ungesundes Fleisch, wenn wir Rindfleisch mit einem “Belbeef”-Label kaufen?

Nicht unbedingt. Auch wenn die Herkunft des Fleisches nicht rückverfolgbar ist, muss das Fleisch noch lange nicht schlecht sein. Wahrscheinlich ist das Fleisch von weniger guter Qualität als belgisches Rindfleisch. Das Fleisch ist vermutlich irgendwo in der Lebensmittelkette hereingeschleust worden, um mehr Gewinn zu erzielen.

„Belbeef“ kommt also seinem Versprechen, dass der Kunde ein Stück belgisches Fleisch der besten Qualität erhält, nicht nach.

Febev hat inzwischen öffentlich reagiert: Es bestehe keine Gefahr für die Volksgesundheit, hieß es von Seiten des Verbandes.

Wie Febev meldet, handele es sich vielmehr um eine falsche Interpretation von internen Untersuchungsergebnissen. Man müsse die Rückverfolgung nuancierter betrachten. “Im Verarbeitungsprozess gebe es verschiedene Schnittstellen, an denen Fleisch von verschiedenen Tieren zusammenkommen. Die Verarbeitungsnummer auf dem Etikett verfolgt mehrere Tiere zurück, nicht ein einzelnes Tier", so Michael Gore von Febev.

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