Flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn hält nicht mehr unter dem Brüsseler Nordbahnhof

Ab dem kommenden Montag müssen sich die Fahrgäste von De Lijn an der Endstation im Brüsseler Nordbahnhof auf einen etwas längeren Fußweg einstellen. Wie bereits seit mehreren Tagen angekündigt, will die Verkehrsgesellschaft ihren Fahrern und Kunden die untragbaren Zustände im unterirdischen Busbahnhof nicht mehr zumuten. Den Brüsseler Verantwortlichen wird vorgeworfen, nichts zu unternehmen.

In dem Busbahnhof suchen viele der so genannten ‚Transmigranten‘ – Flüchtlinge auf der Durchreise nach Großbritannien – und Obdachlose Schutz vor der Kälte. Viele übernachten auch hier. Das sorgt für Sicherheits- und Hygieneprobleme. Es gibt dort keine öffentlichen Toiletten. Deshalb wird De Lijn nun die Haltestelle Brüssel Nord wenigstens zeitweise außerhalb des Bahnhofs verlegen.

Brüssel-Nord ist die Endstation für insgesamt 30 Buslinien der flämischen Nahverkehrsgesellschaft. Hier legen viele Busfahrer ihre Pause ein. Besonders attraktiv ist die etwas unheimlichen Haltestelle sowieso nicht. Beklagt wird auch unzureichende Polizeipräsenz. Bisher weigert sich die Hauptstadtregion Brüssel aber einzugreifen. Der flämische Verkehrsminister Ben Weyts (N-VA) sagte im Morgenmagazin des VRT-Radios (‚De ochtend‘): „Die Situation ist, was Sicherheit und Hygiene betrifft, einfach nicht mehr akzeptabel.“

Haltestellen werden ab Montag verlegt

Zum Schutz der Passagiere und Mitarbeiter werden die 30 Buslinien von De Lijn daher ab Montag vorübergehend an der Seite des Bahnhofs, an der Vooruitgangsstraße und am Noordplatz, aussteigen. Abfahren werden die Buse ab dann am Rogierplatz. (Siehe Plan hierunter)

Auch der Fahrkartenladen von De Lijn im Untergeschoss des Nord-Bahnhofs ist geschlossen. "Er liegt  auch an einem  Ort, an dem es viel Ärger gibt", bestätigt Generaldirektor Roger Kesteloot. Alternativ wird De Lijn seine Dienstleistungen an den Schaltern in Aalst, Löwen und den Standorten Dilbeek und Grimbergen ausbauen.

Wer ist verantwortlich?

Gemäß einer Vereinbarung von 1995 zwischen De Lijn und der Region Brüssel-Hauptstadt ist die Region für "die Sicherheits-, Beleuchtungs-, Heizungs-, Wartungs- und Hygienestandards" im Nordbahnhof verantwortlich. "Wir stellen fest, dass dies nicht geschieht", sagt Kesteloot. Weyts wiederum spricht von "der nachweisbaren vertraglichen Verantwortung der Region Brüssel-Hauptstadt".

Ich kann nur feststellen, dass jeder jemanden anders für verantwortlich hält. Unterdessen sind unsere Fahrgäste und Fahrer die Opfer dieser untragbaren Situtation.
Generaldirektor Roger Kesteloot, De Lijn

Weyts zufolge ist auch die örtliche Polizei in Schaerbeek für die schwierige Situation im Nord-Bahnhof mitverantwortlich. "Sie müssen dort für die öffentliche Ordnung sorgen“. Dass sich der Brüsseler Mobilitätsminister Pascal Smet (SP.A.) auf die Bahnpolizei und damit auf die Kompetenz des Bundesinnenministers Jan Jambon (N-VA) beruft, findet Weyts empörend. "Es ist immer wieder dasselbe: Auch in Brüssel müssten man doch den Unterschied zwischen einem Bus und einem Zug erkennen, oder etwa nicht? Die Bahnpolizei ist für die Sicherheit auf Bahnsteigen und in Zügen verantwortlich, nicht an Bushaltestellen.“

Kesteloot: "Ich kann nur feststellen, dass jeder jemanden anders für verantwortlich hält. Unterdessen sind unsere Fahrgäste und Fahrer die Opfer dieser untragbaren Situation.“

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