Flanderns Haftanstalten finden kaum Fachpersonal zur De-Radikalisierung

Laut einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Morgen, die inzwischen gegenüber VRT NWS bestätigt wurde, sind derzeit in den Gefängnissen im belgischen Bundesland Flandern lediglich drei Experten tätig, die bei der De-Radikalisierung von islamistischen Häftlingen helfen. Einer davon wechselt im Januar seinen Job. Doch einen Ersatz zu finden, erweist sich einmal mehr als schwierig.

Nach dem Attentat in Lüttich Ende Mai hatte Flanderns Sozial- und Wohlfahrtsminister Jo Vandeurzen (CD&V) versprochen, dass zusätzliche Fachleute eingestellt werden sollen, die unterstützend bei der De-Radikalisierung von radikal-islamischen Häftlingen helfen sollten.

Konkret sollte damals die Zahl von seinerzeit 2 Experten auf 4 erhöht werden. Doch es konnte damals nur ein weiterer Experte gefunden werden und ein anderer verlässt zum Jahreswechsel seinen Posten. Das bedeutet, dass in Flandern wieder nur 2 dieser Fachleute im Dienst des Gefängniswesens tätig sind.

Ersatz zu finden, ist schwierig. Lisbeth Wyseur von der Wohlfahrtsabteilung im flämischen Gefängniswesen sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass Kandidaten für einen solchen Job ein bestimmtes Profil haben müssen: „Sie müssen Kenntnis über den Islam und über seine radikale Form haben und auch von der Psyche radikalisierter Moslems. Sie müssen zudem aus der Sozialarbeit kommen und sie müssen bereit dazu sein, im Gefängnis zu arbeiten.“ 

„Die Universitäten liefern derzeit keine Leute, die dazu fähig sind, einen solchen Job zu übernehmen.“

Lisbeth Wyseur, Wohlfahrtsabteilung des flämischen Gefängniswesens

Die entsprechenden Anforderungen sind also sehr hoch. Zudem ist das Phänomen Radikalisierung recht neu, gerade im Bereich Islam in Europa und deshalb gibt es in dieser Hinsicht auch noch keine spezifische Ausbildung. „Die Universitäten liefern derzeit keine Leute, die dazu fähig sind, einen solchen Job zu übernehmen.“, so Wyseur.

Im Augenblick sitzen 8 Häftlinge in gesonderten Abteilungen in einigen flämischen Haftanstalten, in sogenannten „Deradex-Abteilungen“. Etwa 20 weitere Häftlinge aus diesem Spektrum sitzen unbegleitet in Einzelhaft in den Gefängnissen des Landes.

Rudy Van De Voorde, der neue Generaldirektor des flämischen Gefängniswesens, will in diesem Zusammenhang allerdings unterstreichen, dass die Experten derzeit sehr gute Arbeit machen: „Diesen Leuten gelingt es, alle Häftlinge, die wir als radikalisiert oder extrem identifiziert haben, oder die wegen terroristischer Aktivitäten verurteilt wurden, individuell zu sehen.“ Sie würden den persönlichen Kontakt zu keinem der 8 Betroffenen verlieren, so Van De Voorde.

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