Schlechte Koordination zwischen den Geschäftsbereichen der belgischen Bahn

Premierminister Charles Michel (MR) will, dass die verschiedenen Geschäftsbereiche innerhalb der belgischen Bahn, der NMBS/SNCB-Holding, besser untereinander zusammenarbeiten. Vor allem zwischen Infrastrukturdienstleister Infrabel und NMBS/SNCB als Verantwortlichem für den Fahrzeugpark und den Schienenverkehr liegen Haare in der Butter. Die Unpünktlichkeit der Züge in Belgien ist unter anderem auch auf die schlechte Kommunikation zwischen beiden Akteuren zurückzuführen.

Premier Michel nutzte den Festakt zur Eröffnung des letzten Teilstücks des vierspurigen Ausbaus der Bahnstrecke Brüssel-Gent (siehe nebenstehenden Beitrag) nach 10 Jahren Bauzeit am Dienstag dazu, die Beteiligten wachzurütteln. Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass die Zufriedenheitsquote bei den Fahrgästen der Bahn auf einen Negativrekord von 60,9 % gefallen ist (siehe nebenstehenden Beitrag).

Michel sagte in seiner Ansprache unmissverständlich: „Ich bin davon überzeugt, dass Investierungen (in den Ausbau des Schienennetzes (A.d.r.)) wichtig sind. Aber ich denke auch, dass eine gute Koordination zwischen NMBS/SNCB und Infrabel der Schlüssen dafür ist, bessere Resultate bei den Reisenden zu erzielen.“

Infrabel führt derzeit zahlreiche und umfangreiche Bauarbeiten auf dem gesamten belgischen Schienennetz durch, doch Streckensperrungen, Umleitungen, Schienenersatzverkehre und ähnliches werden mit der NMBS/SNCB nur schlecht abgesprochen. Widersprüchliche Informationen gehen auch nicht an den Fahrgästen vorbei, die oft nicht wissen, wo sie dran sind.

„Auch von politischer Seite her liegt einiges im Argen. Das betrifft zum Beispiel die Investierungen bzw. die Finanzierung des Ausbaus des Regionalen Nahverkehrsnetzes rund um Brüssel, das sogenannte GEN-Netz.“

Doch nicht nur die interne Zusammenarbeit zwischen den Bahnakteuren lässt zu wünschen übrig. Auch von politischer Seite her liegt einiges im Argen. Das betrifft zum Beispiel die Investierungen bzw. die Finanzierung des Ausbaus des Regionalen Nahverkehrsnetzes rund um Brüssel, das sogenannte GEN-Netz. Mit dem letzten gerade eröffneten Teilstück zwischen Brüssel und Denderleeuw sind die Arbeiten auf flämischem Gebiet abgeschlossen, während die Arbeiten zu bessern Anschlüssen aus Richtung Wallonien noch nicht einmal begonnen haben.

Zudem liegen sich Bundesverkehrsminister François Bellot (MR) und Brüssels Ministerpräsident Rudi Vervoort (PS) in den Haaren über die Finanzierung weiterer Arbeiten zum Schienenausbau in der Hauptstadt-Region. Bellot sagt, Brüssel würde dazu 200 Mio. € vom Staat bekommen. Vervoort behauptet, es handele sich nur um 19 Mio. €. Den Rest müssten die anderen Länder und Regionen beisteuern.

Und, so Vervoort weiter, Brüssel wolle selbst bestimmen, wo neue Haltestellen eingerichtet und ausgebaut werden. Das könne nicht Sache der Bundesregierung oder der Bahnholding sein. Die Bahnpendler können da nur kopfschüttelnd zuschauen und hoffen, dass sie auch morgen wieder „pünktlich“ am Arbeitsplatz und wieder zu Hause sein dürfen… 

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