Erinnerung an den Holocaust: 272 neue Portraits für die Kaserne Dossin

Das Holocaust-Museum in der Kaserne Dossin in Mechelen (Provinz Antwerpen) hat eine Reihe neuer Fotos von Menschen erhalten, die während der Nazizeit von dort aus in die Vernichtungslager des Deutschen Reiches transportiert wurden. Inzwischen sind dort rund 20.000 solcher Portraitfotos dort zu sehen. Seit 2012 versucht das Holocaust-Museum den Menschen, die vom Sammellager Kaserne Dossin aus deportiert wurden, ein Gesicht zu geben.

25.848 Juden, Roma und Sinti sind während des Zweiten Weltkriegs von Mechelen aus in die KZs und die Vernichtungslager der Nazis in Osteuropa deportiert worden. Sie kamen aus ganz Belgien in das Sammellager in der Kaserne Dossin in Mechelen und von hier aus fuhren die Deportationszüge ab. Heute ist die Kaserne Dossin ein international renommiertes Holocaust-Museum und diese Einrichtung hat sich seit dem Jahr 2012 zum Ziel gesetzt, diesen Deportierten ein Gesicht zu geben. Dazu wurde überall im Haus Fotowände eingerichtet, die Portraits dieser Menschen zeigen.

Jetzt kamen 272 neue Fotos hinzu, was die Zahl dieser Portraits auf 20.000 Exemplare bringt. Woher stammen diese Bilder? Ganz einfach. Auch das Deutsche Reich war ein Beamtenapparat und für jeden Deportierten wurde ein Dossier, eine Akte angelegt, zu der auch ein Passfoto gehörte. Und solche Dokumente sind auch in den belgischen Migrantenarchiven zu finden, denn über 90 % der von Mechelen aus deportierten Juden, Sinti und Roma waren seinerzeit in Belgien eingewandert und die Behörden legten auch dazu Akten mit Passfotos an.

Diese Dossiers wurden nach dem Kriege den Nachkommen oder Angehörigen der Deportierten übergeben. Heute senden viele dieser Nachkommen diese Fotos an das Holocaust-Museum in Mechelen, wo sie nach und nach den Fotowänden hinzugefügt werden. Hinter Millionen in der Nazizeit deportierten und ermordeten Menschen finden sich ebenso viele Einzelschicksale, die vordergründig durch die kolossalen Vernichtungszahlen verdrängt werden. Mit den Portraitwänden hat die Kaserne Dossin einen Weg gefunden, diesen Menschen ein Gesicht zu geben. Diese Gesichter erzählen ihre Geschichten und diese Geschichten helfen heute dabei, das, was damals geschehen ist, nicht zu vergessen.

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