Polizisten, die einen Kurs in Sachen Menschenrechte belegt haben, gehen besonnener zu Werke

Seit 2014 haben mehr als 8.200 Polizisten an einer fachgerechten Zusatzausbildung unter dem Titel „Holocaust, Polizei und Menschenrechte“ teilgenommen. Eine Studie von zwei Soziologie-Professoren der Freien Universität Brüssel (VUB) zufolge, ist dieser Kurs ein Erfolg, denn die meisten Polizisten haben ihr Verhalten angepasst und es wird rascher gegen Kollegen vorgegangen, die über die Stränge schlagen“. 

Polizeibeamten kommen im Laufe ihrer Einsätze oft in Konflikt mit moralischen Dilemmas. Ab wann ist zum Beispiel eine Bemerkung sexistisch? Ab wann kann die Rede von Rassismus sein? Muss ich einen Kollegen melden, der sich verbale Fehltritte gegenüber anderen Menschen leistet? Im Rahmen des Kurses „Holocaust, Polizei und Menschenrechte“ besuchen alle Polizisten auch die Kaserne Dossin in Mechelen (Provinz Antwerpen), das belgische Holocaust-Museum mit seinem Forschungszentrum zu diesem Thema.

Aufgrund dieser Besuche und im Rahmen der Theorie werden danach konkrete Fallbeispiele besprochen und analysiert. Diese Kurse zeigen Erfolge. Danach geben viele Polizisten an, schneller einschreiten zu wollen, wenn ein Kollege zu weit geht. Neun von 10 Teilnehmern geben an, dass ihnen diese Zusatzausbildung etwas mit auf den Weg gegeben hat. Für fast 70 % der Teilnehmer sind die neu gewonnenen An- und Einsichten in die Praxis umsetzbar. Immerhin 55 % der betroffenen Polizisten gab an, die Dinge in Zukunft anders anzugehen.

„Dinge, die auf den ersten Blick bisher wie ein kleines Problem aussahen, werden doch als Sensibel angesehen.“

Marc De Mesmaeker, Generalkommissar bei der belgischen Bundespolizei

Auffallend ist, dass der Effekt dieser Ausbildung bei jüngeren Polizisten am größten ist: „Leute mit viel Erfahrung sind scheinbar weniger sensibel für unsere Geschichten, weil sie mehr von ihrer eigenen Erfahrung ausgehen.“, sagt Christophe Busch, der Direktor der Kaserne Dossin zur Polizistenausbildung „Holocaust, Polizei und Menschenrechte“. Eine Lösung dieses Problems könnte eine weitere Ausbildungsreihe bieten, die sich spezifisch an ältere und erfahrenere Beamten richtet, so Busch: „Man kann vielleicht mehr Effekte erzielen, wenn man diese Erfahrung als Mehrwert in weiteren Kursen nutzt.“ 

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