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Die Apotheken in Belgien haben kaum noch Dosier-Aerosol von Atrovent

Der Vorrat an Dosier-Aerosol von Atrovent ist in Belgien quasi erschöpft. Die Apotheken können der täglichen Nachfrage praktisch nirgendwo mehr entsprechen. Der Grund liegt beim deutschen Hersteller von Atrovent, das Pharmaunternehmen Boehringer-Ingelheim. Hier wird das Produkt in Kontingenten ausgeliefert, wie der Allgemeine Apotheker-Verband (APB) dazu bemerkt.

Das Erkältungsmittel Atrovent, das in unserem Land sehr oft von Ärzten bei Atemwegsproblemen verschrieben wird, ist in diesen Tagen kaum noch zu finden, denn die Vorräte in den Apotheken sind aufgebraucht. Die Ursache liegt in erster Linie bei einer Kontingentierung des Mittels durch den Hersteller Boehringer-Ingelheim. Dieser Pharmakonzern aus Deutschland will so vermeiden, dass Atrovent in einem Land aufgekauft wird, um es in einem anderen Land teuer weiterzuverkaufen.

Ein Produktionsproblem liegt laut einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Morgen also nicht vor, sondern eine strategische Entscheidung des Herstellers. Das Mittel Atrovent, das über einen  Dosier-Aerosol eingenommen wird, ist vor allem bei Eltern mit erkälteten Kindern beliebt, weil es kaum Nebenwirkungen nach sich zieht und wird dementsprechend in Belgien sehr oft verschrieben.

Ärzte- und Apothekerverbände in Belgien haben allerdings ein Problem damit. Sie werfen den Medizinern vor, dieses Mittel zu häufig zu verschreiben. Der Medizinprofessor Dirk Devroey von der Universität Löwen (KU Leuven) sagte dazu gegenüber De Morgen: „Vielleicht ist das ein guter Augenblick, sich die Frage zu stellen, ob der Gebrauch davon wirklich nötig ist. Ärzte verschreiben es zu oft, während in 50 % der Fälle eigentlich kein Medikament notwendig ist.“