Regionalgeschichte in Limburg: Geheime Tunnel der „Bockreiter“ in Maaseik?

Die „Bockreiter“ waren eine berüchtigte Räuberbande, die im 18. Jahrhundert weite Teile des damaligen Limburg unsicher machte. Der Legende nach bestahl sie die Reichen, um den Armen zu helfen, doch die Räuber werden wohl reichlich Diebesgut für sich abgezweigt haben. Eines ihrer Hauptquartiere lag in der Stadt Maaseik in der heutigen flämischen Provinz Limburg direkt am Marktplatz. Dort hat jetzt ein Hobbyhistoriker und Dokumentarfilmer einige geheime Tunnel ausgemacht, die den „Bockreitern“ zugeschrieben werden.

Robby Grispen ist Dokumentarfilmer und in seiner Freizeit ist er der Legende der „Bockreiter“ verfallen. Seit etwa einem Jahr war ist er in Maaseik in Flämisch-Limburg auf der Suche nach einem geheimen Tunnelsystem, das in einigen Büchern über die berüchtigte Räuberbande auftaucht.

Hendricus Houben, einer der Bandenchefs, hatte ein Haus am Marktplatz von Maaseik und Raubzüge soll er von dort aus mit seinen Leuten geplant haben und zwar aus dem Keller des Hauses heraus. Um nicht aufzufallen, sollen die „Bockreiter“ eben durch ein eigens gegrabenes Tunnelsystem auf Raubzug gegangen sein und auf diesem Wege soll deren Beute in Houbens Haus gebracht worden sein.

Dieser Teil der Geschichte hat den Hobbyhistoriker Grispen nicht mehr losgelassen und rund ein Jahr lang hat er in Archiven und alten Stadtplänen danach gesucht. Zuletzt nutzte er ein sogenanntes Bodenradargerät und wurde fündig. Gegenüber dem regionalen VRT-Sender Radio 2 Limburg sagte er dazu: „Wir haben über 40 dichtgemauerte Tunnel und 13 uns unbekannte Konstruktionen unter dem ‚Großen Markt‘ in Maaseik entdeckt.“

„Wir haben über 40 dichtgemauerte Tunnel und 13 uns unbekannte Konstruktionen unter dem ‚Großen Markt‘ in Maaseik entdeckt.“

Hobbyhistoriker und Dokumentarfilmer Ronny Grispen

Derzeit sucht Robby Grispen mit Scannern und Bohrern nach genaueren Details zur Lage der geheimen Anlagen. Später will er versuchen, die Stadt Maaseik und die flämische Landesagentur für das Kulturerbe für seine Sache zu gewinnen. Sein Traum bleibt die Idee, einen Dokumentarfilm über die „Bockreiter“ drehen zu können, doch dies erfordert Zeit und Geld. Doch mit seiner Entdeckung hat er definitiv auf sich aufmerksam machen können. Vielleicht geht da ja noch was….

Die „Bockreiter“ waren der Überlieferung nach eine Räuberbande, die grobgeschätzt zwischen 1730 und 1780 im Raum Limburg (sowohl in der heutigen flämischen Provinz Limburg, als auch in der benachbarten niederländischen Provinz Südlimburg) aktiv war. Sie hinterließ auch Spuren in der Gegend um Herzogenrath in Nordrhein-Westfalen bei Aachen unweit der niederländischen Grenze.

Limburg stellte damals noch ein zusammengehöriges Gebiet dar, das sich heute über drei Länder erstreckt: Belgien (Provinzen Limburg und Lüttich), Deutschland (NRW, Region Aachen) und die Niederlande (Provinz Südlimburg). 

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