Unzufriedene Arbeitnehmer: Am Freitag wird Belgien von einer Streikwelle getroffen

An diesem Freitag legen viele Arbeitnehmer in den verschiedensten Bereichen im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaften kündigten diesen umfassenden Streik an, weil sie und ihre Basis unzufrieden mit der Arbeit der belgischen Mitte-Rechts-Regierung sind. Steine des Anstoßes sind einmal mehr die geplante Rentenreform, die ungeklärte Frage, wie der Begriff „schwerer Beruf“ in dieser Hinsicht definiert wird und nicht zuletzt die sinkende Kaufkraft der Beschäftigten wegen der allgemein steigenden Teuerungsrate.

Wie und wo wird an diesem Freitag gestreikt? Die Züge sollen mehr oder weniger fahren, wie die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB und die Gewerkschaften mitteilen, doch in den anderen Bereichen des öffentlichen Nahverkehrs kann es örtlich zu Problemen kommen.

Bei der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB ging keine Streikankündigung ein, doch bei De Lijn in Flandern und bei der TEC in Wallonien sieht die Lage anders aus. Hier kann es durchaus zu massiveren Problemen kommen, auch wenn die Gesellschaften mit vielen „arbeitswilligen“ Mitarbeitern aufwarten werden.

Am belgischen Nationalflughafen Brussels Airlines in Zaventem werden keine großen Probleme erwartet und doch rät die Flughafengesellschaft Reisenden dazu, „nur mit Handgepäck zum Flughafen zu kommen und eventuell viel Zeit mitzubringen“, was immer das auch heißt…

Bei der belgischen Post (Bpost) und bei den meisten anderen staatlichen Unternehmen der öffentlichen Hand wird weitgehend auf Streiks verzichtet, doch auf kommunaler Ebene sieht die Lage durchaus anders aus. Hier kann es zu Arbeitsniederlegungen bei den Müllmännern kommen und auch in Teilen des kommunalen Schulwesens. 

Privatwirtschaft

In vielen Bereichen der Privatwirtschaft in Belgien kann es durchaus zu massiven Streiks kommen, z.B. in der Metall- und der Textilindustrie. In Wallonien wird die Streikbereitschaft traditionell im Lütticher Raum zu spüren sein und in der Region Charleroi im Hennegau. In Flandern wird ebenfalls in verschiedenen Regionen gestreikt, u.a. in 75 Industriebetrieben alleine in der Provinz Ostflandern.

Davon sind in Gent im Industriegebiet rund um den Hafen herum z.B. Volvo Cars, Volvo Trucks, Honda und ArcelorMittal betroffen. In den Häfen selber werden für Gent mehr Aktionen der Beschäftigten erwartet, als in Antwerpen. Doch dort und im dortigen Industriegebiet werden zumindest Streikposten vor großen ausländischen Konzernen, wie BASF, Evonik oder Lanxess erwartet. 

Achtung! Spontane Aktionen können Probleme bringen

Neben Streiks, Arbeitsniederlegungen oder Blockaden vor Unternehmen kann es örtlich auch zu „spontanen Aktionen“, wie Straßenblockaden oder dem Abriegeln von Gewerbe- und Industriegebieten landauf landab kommen. Dies kündigten zumindest Vertreter der sozialistischen Gewerkschaft an. Wo das allerdings sein wird, muss sich dann erweisen…

Zu umfassenden Demonstrationen wird es in Belgien wohl nicht unbedingt kommen. Für Brüssel ist ein gemeinschaftliches Treffen aller Gewerkschaften vor dem Gebäude des Arbeitgeberverbandes VBO am Zentralbahnhof vorgesehen. In Löwen in Flämisch-Brabant ist eine Demonstration in der Innenstadt angekündigt worden. In Gent wollen sich militante Gewerkschaftler an Zufahrtsstraßen rund um das Hafengebiet treffen und von dort aus womöglich in Richtung Stadtzentrum ziehen.

In vielen Stadtzentren im ganzen Land werden Gewerkschaftler in den Geschäftsstraßen sogenannte „Sensibilisierungsaktionen“ durchführen, mit denen die Bürger über die angesprochenen Probleme informiert werden. Unklar ist, ob sich auch Vertreter der unzufriedenen Bürgerbewegung „Gelben Westen“ dem Protest anschließen. 

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