Aktionstag der Gewerkschaften: Wo wird gestreikt?

Der Aktionstag der belgischen Gewerkschaften für eine bessere Kaufkraft, für eine bessere Verhältnismäßigkeit der beruflichen Laufbahnen und dem entsprechende Renten richtet sich gegen die Regierung und gegen die Arbeitgeber. Die Gewerkschaftler informieren auf der einen Seite landesweit die Bürger und auf der anderen Seite wird auch echt gestreikt. Eine Übersicht.

Für viele Berufspendler, die vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, begannen die Probleme bereits am frühen Morgen, denn die regionalen Nahverkehrsgesellschaften De Lijn in Flandern und TEC in der Wallonie waren von massiven Arbeitsniederlegungen betroffen. Die belgische Bahn hingegen meldete keine Streiks und so gut als alle Züge fuhren. Bei der MIVB/STIB in Brüssel hielt sich die Streikbereitschaft weitgehend zurück. Im öffentlichen Dienst sind in erster Linie an diesem Freitag die lokalen Behörden betroffen. Hier ist die Streikbereitschaft offenbar groß.

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In der Privatwirtschaft in Belgien ist die landesweite Aktion der Gewerkschaften deutlicher zu spüren. Das zeigte sich am frühen Morgen vor allem mit Streikposten an vielen Gewerbe- und Industriegebieten im ganzen Land, wie z.B. in den Provinzen Limburg und Wallonisch-Brabant. Mitunter werden auch sogenannte Filterblockaden an Autobahnen und Schnellstraßen durchgeführt, vor allem dort, wo Zufahrtswege in Richtung von Fabriken aller Art führen.

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Nach Gewerkschaftsangaben werden in ganz Belgien rund 260 Unternehmen aus den Bereichen Metall, Textil und Lebensmittelproduktion bestreikt. Streiks werden z.B. in folgenden Unternehmen gemeldet: Keksfabrik Mondelez in Herentals, Delhaize-Vertriebszentrum in Vilvoorde, Pharmawerk GSK in Waver, die Molkereien Milcobel in Langemark-Poelkapelle und Alpro in Wevelgem und die Walhorner Molkerei, so gut wie alle ArcelorMittal-Standorte in Belgien, Coca Cola in Wilrijk, Gepäckabfertigung am Brussels Airport, dutzende Transportunternehmen, die Kabel- und Gummiwerke in Eupen, der Kunststoffhersteller NMC und Hydro Aluminium in Raeren,  Audi Brussels, Volvo Cars, Volvo Trucks, Volvo-Zulieferer Tower Automotive und Honda im Genter Hafen, Stahldrahtfabrikant Bekaert in Aalter, die Brauereien von AB InBev in Löwen und Hoegaarden sowie die Haacht-Brauerei, Danone in Rotselaar, Kellog’s in Zaventem, das Colruyt-Lager in Halle, Zucker-Raffinerie in Tienen, BruCargo, der Frachtflughafen in Zaventem… 

In einigen Betrieben wird 24 Stunden lang gestreikt. Das bedeutet, dass auch Spät- und Nachtschichten nicht an ihre Arbeitsplätze gehen. 

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Proteste vor dem VBO-Gebäude in Brüssel

Am frühen Freitagvormittag protestierten mehrere Mitglieder der verschiedenen Gewerkschaften in Brüssel vor dem Gebäude des belgischen Unternehmerverbandes VBO. Auch dort richteten sich die  Proteste gegen die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre – was auch die Unternehmer befürworten und gegen die abnehmende Kaufkraft der Beschäftigten, was ihrer Ansicht nach auch eine Folge von nur langsam steigenden Löhnen und Gehältern ist. Einige der Demonstranten bewarfen das VBO-Gebäude, das zwischen dem Brüsseler Zentralbahnhof und dem Kulturpalast BOZAR liegt, mit Farbe (Fotos unten). 

Beim VBO zeigte sich CEO Pieter Timmermans übrigens enttäuscht von der Haltung der Gewerkschaften gegenüber seinem Verband: „Wir haben in den vergangenen Jahren 200.000 Jobs geschaffen und damit die Kaufkraft von 200.000 Haushalten anheben können.“

Der Unternehmerverband will derzeit nicht auf die Proteste reagieren und setzt auf die Gespräche mit den Sozialpartnern, die Anfang Januar 2019 anberaumt sind und die auf Basis der neuesten Zahlen des Zentralen Rates für das Unternehmertum laufen werden. Das Kernkabinett der neuen belgischen Bundesregierung will sich laut Wirtschaftsminister Kris Peeters (CD&V) bereits am Samstag mit den Sozialpartnern (Regierung, Gewerkschaften, Arbeitgeber) an einen Tisch setzen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. 

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