NICOLAS MAETERLINCK

Sprachenbarometer: In Brüssel wird mehr Niederländisch gesprochen, aber…

… gleichzeitig sinkt bei vielen frankophonen Brüsselern die Kenntnis dieser zweiten Sprache in der belgischen Hauptstadt. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Sprachbarometer, der das Verhältnis des Sprachegebrauchs in Brüssel seit 2001 regelmäßig analysiert. Jetzt liegt der insgesamt 4. Brüsseler Sprachenbarometer vor.    

Der Sprachenbarometer analysiert den Sprachgebrauch der Brüsseler anhand repräsentativer Stichproben bei 2.500 Einwohnern der Hauptstadt-Region, die im dortigen Bevölkerungsregister eingeschrieben sind. Nach der jetzt vorliegenden insgesamt 4. Erhebung sind und bleiben die am häufigsten gesprochenen Sprachen in Brüssel Französisch, Englisch und Niederländisch.

Auffallend ist dabei, dass die Zahl der Befragten, die von sich selbst sagen, dass sie gut bis ausgezeichnet Niederländisch sprechen, auf 16 % gesunken ist. 2013 lag diese Zahl noch bei 23 % und im Jahr 2001 sogar noch bei 33 %. Doch auch das Französisch verliert leicht an Boden, während immer mehr Bewohner Brüssels Englisch sprechen.

Der Grund dafür liegt quasi auf der Hand. In den vergangenen Jahren geht die Bevölkerungszahl Brüssels kontinuierlich und schnell nach oben, denn der Zuzug von Einwanderern aller Art hat auch Einfluss auf den Sprachgebrauch. In Brüssel werden immer mehr Sprachen gesprochen. Die belgische (und europäische) Hauptstadt wird immer kosmopolitischer und bunter - die Diversität wird dadurch auf natürliche Weise größer. 

„In den vergangenen Jahren hat ein starker Zustrom von neuen Einwohnern dafür gesorgt, dass Brüssel eine superdiversere, kosmopolitischere und mehrsprachigere Stadt geworden ist.“

Sven Gatz (Open VLD), Flanderns Landesminister für Kultur und Brüsseler Angelegenheiten

Im Jahr 2000 hatte Brüssel 950.000 Einwohner. Heute, knapp 18 Jahre später, sind hier fast 1,2 Millionen Menschen gemeldet. Durch die Tatsache, dass hier immer mehr Englisch gesprochen wird, scheint Niederländisch an Boden zu verlieren, was auch die Tatsache unterstreicht, dass immer weniger frankophone Jugendliche in den Schulen der Hauptstadt Niederländisch lernen oder nach der Schule überhaupt noch sprechen.

Und doch nimmt der Gebrauch der niederländischen Sprache in Brüssel zu. Wie ist das zu erklären? In der Region Brüssel-Hauptstadt wird vor allem deutlich mehr Niederländisch am Arbeitsplatz gesprochen und auch beim Einkaufen kommt diese Sprache, z.B. im Einzelhandel, mehr zur Anwendung. Einige Viertel werden vermehrt von niederländisch-sprachigen Brüsselern oder von hierhergezogenen Flamen bewohnt. Das bedeutet, dass auch zwischen Nachbarn auf der Straße mehr Niederländisch gesprochen wird.

„Mehrsprachigkeit ist für die Brüsseler ein wichtiger Faktor geworden, um Arbeit zu finden. Die Kenntnis der niederländischen Sprache erhöht diese Chancen noch mehr.“

Sven Gatz (Open VLD), Flanderns Landesminister für Kultur und Brüsseler Angelegenheiten

Als Schulfach wird Niederländisch in Brüssel immer wichtiger, was sich auch auf die Abendschulen und die Erwachsenenbildung niederschlägt. Überall wird diese Sprache verlangt und auch angeboten, wie z.B. im „Haus des Niederländischen“ und bei den Einbürgerungskursen von Einwohnern, die hier eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten haben.

Flanderns Landesminister für Kultur und Brüsseler Angelegenheiten, Sven Gatz (Open VLD), will ins nächste Koalitionsabkommen in der Region Brüssel-Hauptstadt Mehrsprachigkeit bzw. eine Zweisprachigkeit (Niederländisch und Französisch) festschreiben, um das Schulwesen dazu zu bringen, hier aktiver zu werden. 

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