Flanderns erste Schöffin mit Kopftuch: „Bemerkenswert, dass das bemerkenswert ist“

Hafsa El-Bazioui (Foto) wird die erste Schöffin in einem Stadtrat im belgischen Bundesland Flandern, die ein Kopftuch trägt. Die Grünen-Politikerin (Groen) übernimmt in der Koalition um Bürgermeister Mathias De Clerck (Open VLD) ab 2022 das Amt der Schöffin für das kommunale Personal, für die Nord-Süd-Kooperation und für das Facility Management. El Bazioui wundert sich darüber, dass ihr Kopftuch etwas Bemerkenswertes sein muss. 

In der neuen Vier-Parteien-Koalition in Gent aus dem Kartell Groen/S.PA (Grüne und Sozialisten), aus CD&V (Christdemokraten) und Open VLD (Liberale) teilen sich die Grünen und die Sozialisten das Schöffenamt für das kommunale Personal, für die Nord-Süd-Kooperation und für das Facility Management. Bis 2022 wird die Sozialistin Annelies Storms mit diesem Amt betraut.

Hafsa El-Bazioui (30) hat marokkanische Wurzeln, kam in Gent zur Welt und arbeitet in einer Hotelfachschule. Sie bekam aus dem Stand heraus bei den Kommunalwahlen fast 4.000 persönliche Vorzugsstimmen. El-Bazioui zeigt sich als eine moderne Frau und wundert sich darüber, dass ihr Kopftuch als etwas Besonderes angesehen wird.

Am Sonntagmittag sagte sie im Rahmen der VRT-Talkshow „De Zevende Dag“ (Der Siebte Tag): „Ich fand es bemerkenswert, dass das bemerkenswert ist, auch wenn ich weiß, dass dies hier sehr wichtiges ist.“ Sie hält es eher für etwas Besonderes, dass sie ohne politische Erfahrung ein Mandat erhält. Dafür spreche allerdings, dass sie seit Jahren in der Personalabteilung einer Hotelfachschule arbeite und von dort aus einiges an entsprechender Erfahrung mitbringe.

Die 30-Jährige will in Absprache mit den Koalitionspartnern in der Genter Mehrheit und vor allem mit ihrer Amtskollegin Annelies Storms vom Kartellpartner SP.A für mehr Diversität im kommunalen Personal sorgen. Das betreffe auch die Polizei und das kommunale Bildungswesen. In Anbetracht ihres Kopftuches gab sie aber deutlich zu verstehen, dass sie Religion und ihre Arbeit strikt trenne. Sie wolle das auch von ihrer Seite hier nicht kommentieren, doch „ich bin bereit dazu, mich auf Gespräche einzulassen, wenn die Leute Fragen haben.“

In Personalfragen werde sie nur auf Fähigkeiten achten und nicht künstlich z.B. Migranten bevorzugen. Sie wolle aber darauf achten, dass auch Stellen für Personen mit mentaler oder körperlicher Beeinträchtigung oder für Menschen mit geringer Ausbildung geschaffen würden. Auch hier gelte primär, dass die in Frage kommenden Kandidaten geeignet sein müssen. 

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