Brügge erwirbt ein wichtiges Meisterwerk aus der Zeit der "Flämischen Primitiven"

In seiner letzten Sitzung vor der Übergabe der Geschicke der Stadt an die neue Mehrheit hat der Gemeinderat von Brügge einstimmig beschlossen, ein einmaliges Werk eines Malers der „Flämischen Primitiven“ aus dem Jahr 1500 zu erwerben. Dieses Meisterwerk (Ausschnitt oben), das nachweislich in Brügge entstanden ist, verblieb lange im Ausland.

Das Gemälde ist 70 x 40 cm groß und zeigt die „Heilige Veronika mit dem Schweißtuch Christi“. Gemalt hat dieses Bild der „Meister der Ursulalegende“, dessen Identität nicht zweifelsfrei geklärt ist. Vermutlich handelte es sich bei ihm um den Brügger Maler Pieter Casembroot, einem Zeitgenossen von Hand Memling. Das Gemälde ist um das Jahr 1500 herum im Auftrag eines italienischen Kunden entstanden und wurde seinerzeit nach Florenz geliefert. Danach fand es sich in einer französischen Sammlung wieder und letztendlich wurde es von einem Privatsammler in New York zum Verkauf angeboten.

Offenbar mussten die Besitzer dieses Werk aus steuerlichen Gründen noch in diesem Jahr verkaufen und so wurde es von einem New Yorker Auktionshaus angeboten, ohne allerdings versteigert zu werden. Diese Gelegenheit ließen sich der Museumsverband Brügge und dessen Direktor Till-Holger Borchert nicht entgehen. Die Stadt Brügge zahlte 570.000 € plus 34.000 € Ausfuhrgebühr für das Werk. Ein stolzer Preis, so Borchert, doch „wenn dieses Bild versteigert worden wäre, dann hätte es vielleicht Millionen gekostet.“ Das Geld für den kommunalen Ankauf kommt aus dem „Musealen Sammlungsfonds“ der Stadt.

Laut Museumsdirektor Borchert ist dieses Gemälde für Brügge so wichtig, weil es dort entstanden ist und weil es die Kernkollektion der Brügger Sammlung an „Flämischen Primitiven“ vervollständigt. Der Maler, der „Meister der Ursulalegende“, war seinerzeit ein kommerzieller Künstler, der mit seinen Werken im Stile von Memling und Van Eyck viel Geld verdiente. Er malte gleich mehrere „Veronikas“ für den internationalen Markt, denn die „Flämischen Primitiven“ waren während der Renaissance schon sehr begehrt. Die „Heilige Veronika mit dem Schweißtuch Christi“ (vollständiges Bild unten) wird ab März 2019 im Groeningemuseum in Brügge zu sehen sein. Vorher wird sie eingehend dokumentiert. Restauriert werden muss das Bild laut Museumsdirektor Borchert nicht: „Es befindet sich in einem perfekten Zustand.“ 

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