Anschlag auf Jüdisches Museum: Prozessauftakt gegen Mehdi Nemmouche

Rund um den Brüsseler Justizpalast hatte am Donnerstagmorgen ein Großaufgebot der belgischen Polizei Stellung bezogen. Es galt, den Prozessauftakt gegen Mehdi Nemmouche, den mutmaßlichen Attentäter beim Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014 abzusichern. 

Alle Straßen um den Brüsseler Justizpalast herum waren am Donnerstag abgeriegelt worden und Dutzende Polizisten, die von Soldaten unterstützt vor dem Gebäude patrouillieren, sorgten für die Sicherheit. Ein Hubschrauber der Polizei überwacht zudem die Umgebung aus der Luft.

Dieser erste Prozesstag sollte lediglich dazu dienen, die Identität der beiden Beschuldigten - neben Mehdi Nemmouche soll auch gegen dessen mutmaßlicher Helfer Nacer Brendrer prozessiert werden - festzustellen und es wurde bestimmt, welche Zeugen im Laufe des Prozessen aufgerufen werden. Die Liste der Zeugen ist lang: Polizisten und Rettungsdienste, die am Tag des Anschlags als erste vor Ort waren, Ballistiker und Stimmexperten, vier Journalisten, die in Syrien vom IS entführt und von Nemmouche dort bewacht wurden und andere mehr.

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Beide Angeklagten antworteten auf alle Fragen, die ihnen der Richter stellte. Mehdi Nemmouche stritt allerdings erneut jede Mittäterschaft ab. Im Laufe dieses ersten Prozesstages wollte Nemmouches Verteidigung den Prozess aussetzen lassen. Dessen Anwalt gab zu erkennen, dass die Anklage viel mehr Zeit gehabt habe, den Prozess vorzubereiten. Diesen Einwand ließ das Gericht allerdings nicht gelten.

Nemmouche-Anwalt Sébastien Courtoy hatte auch Kritik an den scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Diese hatten einen ähnlichen Aufwand, wie an den Prozesstagen gegen die IS-Terroristen Salah Abdeslam und Sofien Ayari vor einigen Monaten. „Das ist erschreckend.“, so Courtoy. Der eigentliche Schwurgerichtsprozess beginnt am 10. Januar mit der Auswahl der zwölf Geschworenen und deren Ersatzkandidaten. Courtoy deutete beim Verlassen des Justizpalastes an, möglicherweise werde sein Mandant dem Prozess im Januar nicht beiwohnen… 

Der Anschlag

Der 24. Mai 2014 war für das Jüdische Museum in Brüssel (Foto unten) ein Schicksalstag. Ein schwer bewaffneter Terrorist drang an diesem Tag in das Museum ein und schoss wild um sich. Dabei tötete er zwei aus Israel gekommene Besucher und eine ehrenamtlich dort tätige Französin. Ein junger Techniker, der ebenfalls im dem Museum arbeitete, erlag Tage später seinen schweren Schussverletzungen.

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Ende Mai 2014 konnte der mutmaßliche Täter, der 29 Jahre alte algerische Franzose Mehdi Nemmouche (Illustration unten) aus der Gegend von Lille, in Marseille gefasst werden. Zollbeamte hatten in seinem Reisegepäck in einem Fernbus Waffen gefunden, die sich später nach ballistischer Untersuchung als die Tatwaffen erwiesen. Frankreich lieferte den Verdächtigen an die belgische Justiz aus.

Dessen Verteidiger wiederholten immer wieder, dass keine eindeutigen Beweise gegen ihren Mandanten vorliegen, die eine Tatbeteiligung belegen würden und es habe sich auch kein Zeuge gefunden, der ihn gesehen habe.

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Doch die Verdachtsmomente gegen den 29jährigen, der kurz vor der Tat an der Seite von radikalen Islamisten in Syrien gekämpft hatte, reichen nach Ansicht der Brüsseler Justiz aus, den Mann anzuklagen und vor Gericht zu stellen. Unsere Kollegen von frankophonen Rundfunk RTBF zeigten kurz vor Prozessauftakt noch neue Bilder von Überwachungskameras, die offenbar den Angeklagten am Tag vor dem Anschlag als Besucher des Jüdischen Museums zeigen. Im Vergleich zu späteren Bildern zeigen diese Bilder, eines davon ist unter diesem Beitrag neben einem Fahndungsfoto  von 2014 zu sehen, eine Ähnlichkeit mit dem Mann, der tags drauf den Anschlag verübte.