Immer mehr flämische Gemeinden stellen rechtsextremistische Radikalisierung fest 

Laut einer Befragung des Verbandes der flämischen Städte und Gemeinden (Vereniging van Vlaamse Steden en Gemeenten - VVSG) bei 151 Gemeinden im vergangenen Sommer hat fast die Hälfte aller flämischen Gemeinden Radikalisierungsprobleme. Während in der Vergangenheit diese Radikalisierung vor allem bei belgischen Islamisten beobachtet wurde, die sich in Syrien dem IS anschlossen, führt die Radikalisierung mittlerweile vor allem zu Homophobie und Rechtsextremismus.

Die Umfrage wurde im vergangenen Sommer durchgeführt. Zwei von fünf Kommunen, die an der Umfrage teilgenommen haben, berichten von Problemen mit Polarisierung oder einer Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas.

Fast die Hälfte der Kommunen sieht auch Zeichen für eine zunehmende Radikalisierung. Demnach unterstützen immer mehr Bürger radikale Auffassungen, die den Fortbestand der demokratischen Rechtsordnung gefährden könnten.

Hakenkreuze, Homophobie und Islamhass

In jeder fünften Kommune  werden rechtsextremistische und neonazistische Tendenzen festgestellt. Wim Dries, der Vorsitzende des Verbandes der flämischen Städte und Gemeinden und Bürgermeister der limburgischen Stadt Genk, sieht hierin eine bemerkenswerte Entwicklung: „Vor zwei Jahren stellten wir dies noch fast gar nicht fest.  Aber jetzt ist es anders. Es geht um die Verherrlichung extremer Taten und das Tragen eines Hakenkreuzes, aber auch um Äußerungen von Homophobie und Islamhass.“   

Viele Kommunen wissen nicht, wie sie mit Rechtsextremismus umgehen sollen.

Wim Dries, Vorsitzender des Verbandes der flämischen Städte und Gemeinden

"Viele Kommunen wissen nicht, wie sie mit diesem Phänomen umgehen sollen", fährt Dries fort. "Deshalb müssen wir entsprechende Erkenntnisse und Erfahrungen austauschen. Wie geht man das an, wie spricht man mit den Bürgern hierüber..... das sind Themen, über die wir nachdenken müssen. Die lokalen Sicherheitszellen (Lokale Integrale Veiligheidscellen - LIV), die ursprünglich gegründet worden waren, um radikalisierte muslimische Jugendliche zu begleiten, können hierbei helfen. Auf jeden Fall muss daran gearbeitet werden, die Menschen miteinander zu verbinden. Ich denke, dass auch die neuen Kommunalbehörden dies zu einer Priorität machen werden.“  

Andere Sitten und Gebräuche

Die Umfrage zeigt auch, dass es in vielen Gemeinden Konflikte um religiöse Überzeugungen und ethnokulturelle Praktiken gibt. Das sind zum Beispiel Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder am Schwimm-, Gymnastik- oder Musikunterricht teilnehmen, wofür andere Bürger dann wiederum kein Verständnis aufbringen.

Laut Verband der flämischen Städte und Gemeinden handelt es sich dabei aber nicht unbedingt um eine echte Radikalisierung, sondern um ein mangelndes Wissen über die Lebensgewohnheiten und Gebräuche des jeweils anderen.

Hieran müssen auch die Kommunen arbeiten.  Der Verband fordert die flämischen und belgischen Behörden deshalb dringend auf, die Bemühungen der Gemeindebehörden zur Lösung sozialer Probleme zu unterstützen.