2018 war auch in Flandern wieder ein Staujahr

Auch im zu Ende gehenden Jahr 2018 nahm die Verkehrsdichte auf den Straßen und Autobahnen im belgischen Bundesland Flandern wieder zu. Inzwischen staut sich der Verkehr auch mehr und mehr außerhalb der Stoßzeiten im Berufsverkehr. Auffallend ist aber, dass viele Pendler inzwischen auf das Fahrrad umsteigen, doch zu Fahrten in ihrer Freizeit nutzen diese Verkehrsteilnehmer dann doch lieber das eigene Auto.

Die Staustatistiken sind für das Jahr 2018 ähnlich dramatisch wie im Jahr davor: Verkehrsteilnehmer standen 1.588 Stunden lang, bzw. 66 ganze Tage lang in Staus, die eine Länge von über 100 km hatten. Das ist ein Anstieg um 8 Tage gegenüber 2017. Inzwischen häufen sich zudem die Verkehrsstaus während der Normalverkehrszeit, sprich zwischen 10 Uhr und 15 Uhr.

Diese Entwicklung ist auch auf die Zunahme der Lieferwagen und der Kleinlaster zu allen Tageszeiten zurückzuführen, denn der Onlinehandel hat vermehrten Autoverkehr für die Lieferung nach Hause zur Folge. Doch auch die Zunahme der Teilzeitjobs hat mehr Verkehr in den verkehrsmäßigen Tagesrandlagen zur Folge.

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BELGA/WAD

Zurückgegangen sind in diesem Jahr allerdings die Monsterstaus mit Längen von über 400 km. Solche Staus gab es nur nach heftigen Regen- oder Schneeschauern und das war nur der Fall während insgesamt 5 Stunden. Dies wiederum ist dem trockenen Sommer zu schulden, denn es hatte ja bekanntlich bis tief in den Herbst hinein kaum geregnet.   

Großstädte

Die meisten Staus entwickeln sich während den Stoßzeiten im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr rund um die großen Städte in Flandern, sprich Antwerpen, Gent und auch Brüssel. Interessant dabei ist, dass gerade die Bewohner solcher Städte angesichts des hohen Verkehrsaufkommens durch Arbeitnehmer von Außerhalb Alternativen suchen und dass sind nicht unbedingt die öffentlichen Verkehrsmittel, denn auch Trams und Busse können im Stau hängen bleiben, sondern das ist vermehrt das Fahrrad. Zwischen 2011 und 2016 verdoppelte sich die Zahl der Berufspendler, die ein Rad nutzten (ihr eigenes oder ein Stadt- oder Mietrad), auf 16 % der Verkehrsteilnehmer.

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100 Mio. € werden in den kommenden beiden Jahren investiert

Flanderns Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) reagierte auf die Verkehrsstatistiken von Touring Mobilis und von VRT-Verkehrsredakteur Hajo Beckman: „Positiv ist, dass die Zahl der langen Staus abnimmt. Negativ ist, dass die Zahl der kurzen Staus zunimmt. Das illustriert, dass wir absolut in Alternativen zum Auto und in Verkehrsinfrastruktur investieren müssen.“

Weyts ist auch nicht entgangen, dass sich die meisten Probleme rund um zwei neuralgische Punkte konzentrieren. Das sind die Ringe um Antwerpen und um Brüssel. In den kommenden beiden Jahren wird gerade dort damit begonnen, die Straßeninfrastruktur den neuen Gegebenheiten anzupassen. Doch auch die Verkehrsinfrastruktur rund um die immer zahlreicher werdenden Radfahrer in den Ballungsräumen müssen entsprechend angepasst werden.

Hier besteht noch viel Nachholbedarf, wie auch die flämischen Verkehrsbehörden registrieren. Kurzfristig werden in die gesamte Verkehrsinfrastruktur rund um Straßen und Radwege in Flandern 100 Mio. € investiert. Doch auch der Verkehrsminister weiß, dass dies nur ein Anfang sein kann. 

foto Peter Hilz (C)