Strengere Smartphone-Regeln für Soldaten bei Auslandseinsätzen

Die belgische Armee führt strengere Regeln für den Handy- oder Smartphone-Gebrauch für Soldaten bei Auslandseinsätzen ein. Untersuchungen ergaben, dass Hacker an sensible Daten gelangen konnten, möglicherweise auch durch Unvorsichtigkeiten von den eigenen Soldaten. Die neuen Regeln gelten bereits beim Nato-Einsatz in Lettland Anfang 2019. 

Der Einsatz von belgischen Soldaten im Baltikum ist die erste Mission, bei der die strengeren Smartphone-Regeln zum Einsatz kommen werden, denn dann ziehen rund 200 Militärs nach Lettland. Über leicht leserliche Geo-Daten können Hacker an sensible Informationen gelangen, z.B. zu Truppenbewegungen. In den baltischen Staaten ist dies besonders gefährlich. „Wir wissen, dass Russland Interesse an solchen Geo-Daten zeigt.“, sagte Kolonel Carl Gillis dazu gegenüber VRT NWS.

Seit kurzem misst das belgische Verteidigungsministerium, was mit einigen Angaben, wie z.B. Geo-Daten auf den persönlichen Smartphones von Soldaten, passiert. Verschiedene Apps, wie Wetter-Apps, Navigationshilfen, Lauf-Apps oder auch soziale Netzwerke wollen wissen, ob sie auf die Locations der Nutzer zurückgreifen dürfen, was natürlich bei Soldaten besonders sensibel ist.

Dass die Standorte der Nato und/oder der belgischen Armee auch anderen Ländern nicht geheim bleiben, ist selbstverständlich, doch Angaben zu Manövern, Übungen, Mannschaftsstärke oder zu anderen Vorgängen sollten eher geheim bleiben. Doch dies ist in diesen Mobilfunkzeiten durchaus ein Problem. 

„Wir wissen zum Beispiel, dass Russland versucht, in den Baltischen Staaten aktiv Informationen zu finden.“

Kolonel Carl Gillis

„Wir haben Risikoanalysen darüber angestellt, was mit den Daten aus den Smartphones gemacht werden könnte. Wir wissen z.B. dass Russland versucht, in den Baltischen Staaten aktiv Informationen zu finden.“, so Kolonel Gillis. Ob die Handys von belgischen Soldaten konkret gekackt worden sind, wollte Gillis nicht wirklich bestätigen: „Soldaten sind Menschen und wir wissen, dass jeder gehackt werden kann.“

Schon länger verboten ist in diesem Zusammenhang für die Soldaten – nicht nur bei Auslandseinsätzen, sondern generell - die Nutzung der Fitness-App Strava. Über diese App war im Internet freizugänglich zu sehen, wann und wo Soldaten im Auslandseinsatz laufen oder joggen gingen - inklusive Name und Adresse.

Die rund 200 belgischen Soldaten, die Angang 2019 nach Lettland verlegt werden, dürfen in einer ersten Instanz außerhalb ihrer Stützpunkte keine persönlichen Smartphones mehr nutzen. Möglicherweise wird die Mitnahme von eigenen Geräten sogar ganz verboten. Für Wegwerf-Handys oder entsprechende Laptops, wie sie die britische Armee nutzt, hat die belgische Verteidigung kein Geld. Eines garantiert die Armee aber trotzdem: Jeder Soldat im Auslandseinsatz wird ausreichend Kontakt zu seiner Heimat haben. Wie das aussehen wird, wurde nicht mitgeteilt. 

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