foto Peter Hilz (C)

Wallonie vs. Flandern und Brüssel: “Zwei Mautsysteme in einem Land? Politisch komplett absurd!“

Flandern will ab 2024 oder 2025 auf allen Straßen und Autobahnen eine allgemeine Maut einführen. Diesen Plänen schloss sich unlängst die Region Brüssel-Hauptstadt an. Doch in Wallonien stößt diese Idee auf Verständnislosigkeit. Vor allem der regionale Verkehrsminister Carlo Di Antonio (CDH) reagiert irritiert: „Das ist nicht zu fassen. Zwei Mautsysteme in einem Land? Das ist politisch komplett absurd!“

Flandern hat sich anhand von Studien dazu entschlossen, ab 2024 oder 2025 auf allen Straßen und Autobahnen eine allgemeine Maut einzuführen und die Region Brüssel-Hauptstadt will sich diesen Plänen anschließen, denn auch dort wird eine allgemeine Verkehrsabgabe als logisch angesehen.

Doch konkret beschlossen ist noch nichts, denn dies sollen die nächsten Regierungen in Flandern und in der Hauptstadt-Region beschließen. Im Mai 2019 wird ja in Belgien bekanntlich auch in Ländern und Regionen gewählt.

Trotzdem ist man in der Wallonie irritiert und spricht sich gegen ein solches Vorhaben aus. Die Wallonische Region bevorzugt eine Straßenvignette und will die Bevölkerung dafür mit einer Senkung der Verkehrssteuer kompensieren. 

Unterschiedliche Verkehrsstrukturen

Nach Ansicht von VRT-Verkehrsredakteur Hajo Beeckman ist der Widerstand von Verkehrsminister Di Antonio durchaus begründet: „Die Wallonie ist anders und hat auch nicht die gleiche Autokultur. Die Notwendigkeit einer allgemeinen Mautgebühr ist dort nicht gegeben.“

Laut Beeckman bilden sich im frankophonen Landesteil Belgiens auch wesentlich weniger strukturelle Staus, wie z.B. in den flämischen Ballungsräumen oder um Brüssel herum: „Eine Vignette ist eine Abgabe, mit der man den Verkehr nicht beeinflussen kann. Mit einer intelligenten Kilometerabgabe kann man sehr wohl steuern.“

Laut Hajo Beeckman sind zwei unterschiedliche Systeme von Verkehrsabgaben in einen Land wie Belgien durchaus technisch und auch politisch möglich, aber „das wäre eine enorme politische Absurdität, die zudem schlecht für das Image unseres Landes sein kann.“ Der Verkehrsexperte hofft, dass sich die drei betroffenen Länder und Regionen Flandern, Brüssel und Wallonien noch einigen: „Wir hoffen, dass unsere Politiker ausreichend gesunden Menschenverstand an den Tag legen, um einen Vergleich zu finden.“