Belgien blickt auf ein erfolgreiches Sportjahr 2018 zurück

2018 war ein besonders erfolgreiches Jahr für den belgischen Sport, denn auf internationaler Ebene erzielten unsere Landsleute einige aufsehenerregende Medaillen, Titel und Ergebnisse. Diese Erfolge wurden in allen möglichen Sportarten erzielt, wie unser kleiner Überblick mit 10 Geschichten erzählt.

Bart Swings

Was lange währt wird endlich gut: Am vorletzten Tag der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang im Februar holte Bart Swings im Eisschnelllauf die erste belgische Medaille seit 20 Jahren - 1998 holte Bart Veldkamp bei den Spielen in Nagano zum letzten Mal eine belgische Medaille bei Winterspielen und zwar Bronze. Beim Massenstart in Pyeongchang wurde Swings hinter dem südkoreanischen Favoriten Lee Seung Hoon Zweiter und gewann Silber.

"Belgian Tornados"

Die belgische 4x100 m-Staffel der Herren gewann bei den Indoor-Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Birmingham noch knapp Bronze. Jonathan Borlée, Kevin Borlée, Neuling Jonathan Sacoor und Schlussläufer Dylan Borlée (Foto unten) setzten mit einer Zeit von 3:02.51 auch einen neuen belgischen Landesrekord fest. Damit gewannen die „Belgian Tornados“ bereits ihre 9. internationale Medaille bei insgesamt 20 WM-Teilnahmen. Nach 2012 in Helsinki und 2016 in Amsterdam war dies das dritte WM-Gold für die Staffel.

Schlussläufer Dylan Borlée übernahm in Birmingham die Staffel von Sacoor als Vierter und konnte seinen Konkurrenten aus Trinidad & Tobago noch überholen. Polen wurde hier vor der Staffel der USA Weltmeister. Ganz nebenbei: Die Zwillingsbrüder Kevin und Jonathan Borlée gewannen bei der Leichtathletik-EM in Berlin bei den 400 Metern die Silber- und die Bronzemedaille und standen gemeinsam auf dem Podest…

Nicky Degrendele

Nicky Degrendele sorgte 2018 gleich mehrmals für Jubel. Sie gewann für Belgien bei der Bahnrad-WM in Apeldoorn die Goldmedaille im Keirin. Bei dieser Bahnrad-Disziplin starten alle Konkurrentinnen hinter einem einzigen Derny. Sobald dieses Motorrad die Bahn verlassen hat, sprinten die Fahrerinnen los. Hier war Degrendele die schnellste Fahrerin und gewann damit Gold. Dies war die zweite belgische Medaille für die belgischen Bahnrad-Frauen.

Zuvor hatte Jolien D’Hoore Silber im Scratch geholt. Für die erfolgsverwöhnte Bahnradsportlerin war dies der einzige Erfolg in Apeldoorn. In allen anderen Disziplinen, an denen sie teilnahm, musste sie mit den hinteren Rängen vorlieb nehmen. Nicky Degrendele hingegen legte noch einmal zu, in dem sie bei der EM in Glasgow im Keirin die Silbermedaille gewann.

"Red Lions"

Die belgischen Hockey-Herren sind zum ersten Mal in ihrer Geschichte Weltmeister. Im Endspiel in Indien besiegte der Deutschland-Bezwinger Mitte Dezember die Niederlande im Penaltyschießen mit 3:2. Im WM-Finale gegen die Niederlande stand es nach 60 Minuten immer noch 0:0, aber die Red Lions behielten im spannenden Shootout einen kühlen Kopf. Torwart Vanasch wurde zum WM-Helden. Belgien stand zuvor schon drei Mal im Finale eines großen Turniers (bei Olympia 2016, bei der EM 2013 und bei der EM 2017, ebenfalls gegen die Niederlande). Doch hatte sich die „Red Lions“ jedes Mal mit Silber begnügen müssen. Die beste WM-Platzierung war bisher Rang fünf.

Emma Plasschaert

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Die belgische Seglerin Emma Plasschaert aus Ostende ist am 10. August im dänischen Aarhus Weltmeisterin geworden. Plasschaert ging mit 11 Punkten Vorsprung vor der Titelverteidigerin und Europameisterin Marit Bouwmeester aus den Niederlanden in das abschließende Rennen. Dabei brauchte sie nur unter die besten 5 zu kommen, um Silber zu holen oder mit sechs Rängen Vorsprung vor Bouwmeester ins Ziel kommen, um Weltmeisterin zu werden. Letztendlich wurde die Seglerin aus Ostende Fünfte und sicherte sich damit den Titel vor der Niederländerin und der Dänin Anne-Marie Rindom, die die Bronzemedaille gewann. Plasschaert hatte die ganze Woche bei der WM in Aarhus vorne mitgesegelt. Dies ist der erste Weltmeistertitel für die Belgierin.

Delphine Persoon

Samstagabend, 8. Dezember, kurz nach Mitternacht: Delfine Persoon erboxte sich im westflämischen Ardooie ihren neunten Weltmeistertitel bei den Leichtgewichten. Es wurde ein technischer K.O. gegen die Kenianerin Judy Waguthi. Der Schiedsrichter musste vorzeitig intervenieren und den Kampf beenden. Das war notwendig, denn Persoon hatte die Kenianerin ziemlich übel zugerichtet. Delfine Persoon ist die amtierende WBC-, WIBA- und WIBF-Weltmeisterin im Leichtgewicht. Die Boxerin, die hauptberuflich bei der belgischen Bahnpolizei arbeitet, begann erst 2009 mit dem professionellen Boxen. Davor war die im Judo aktiv. 

Nafi Thiam

Die belgische Siebenkämpferin Nafissatou (‚Nafi‘) Thiam hat am 10. August bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin erneut Gold gewonnen. Damit ist sie Olympia-Siegerin und Welt- und Europa-Meisterin in Personalunion. Im Verlauf eines verrückten Abends für den belgischen Leichtathletik-Verband und einem harten Kampf gegen die Britin Katarina Johnson-Thompson hat sich Nafi Thiam letztlich doch wieder durchgesetzt. In ihrer internationalen Titelsammlung fehlt jetzt ihr nur noch Gold bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Nach ihrem Studium im September 2019 wird sie die Mission Titelverteidigung starten. Erstes Rendezvous sind 2020 die Olympischen Spiele in Tokyo.

"Rote Teufel"

Die „Roten Teufel“ haben sich in Russland bei der WM mit ihrem 2:0-Sieg (1:0) gegen England die Bronzemedaille und einen Platz in der belgischen Fußballgeschichte erobert. Nach ihrem vierten Platz bei der Weltmeisterschaft von Mexiko im Jahr 1986 holten sie das bislang beste WM-Ergebnis der Verbandsgeschichte. Die Treffer vor 64.406 Zuschauern in St. Petersburg erzielten Thomas Meunier (4. Minute) und Eden Hazard (82.).

Die „Roten Teufel“ haben auch die belgische Meisterschaft im Jubeln gewonnen. Am 15. Juli sorgten sie vor zehntausenden Fans bei ihrer Rückkehr in Brüssel für ein Fest sondergleichen. Bei der Balkonszene am Rathaus am Großen Markt der Hauptstadt feierten sie vor 8.000 Landsleuten eine Fete ab, die alles ähnliche zuvor verblassen ließ… 

Nina Derwael

Nina Derwael aus Sint-Truiden in der Provinz Limburg ist erst 18 Jahre alt, doch im Turnen hat sie schon fast alles gewonnen, was man dort gewinnen kann. Schon 2017 zeigte sie, dass sie eine Ausnahmeturnerin ist und in diesem Jahr bestätigte sie die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden. Bei der Turn-WM in Doha holte sie im November am Stufenbarren mit 15,20 Punkten die Goldmedaille.

Damit gewann sie als erste Turnerin unseres Landes überhaupt einen Weltmeistertitel. Zuvor hatte sie bei den Europameisterschaften in Glasgow hat ihren Titel am Stufenbarren erfolgreich verteidigt. Nach Gold am Barren holte sie in Glasgow auch gleich noch Silber auf dem Schwebebalken. All diese Erfolge brachten ihr den Titel der „Sportlerin des Jahres“ in Belgien ein, das „Flämische Sportjuwel“ und die Nationale Sportverdiensttrophäe.

Quick Step Floors

Die derzeit erfolgreichste Radsportmannschaft im internationalen Straßenradbereich ist das belgische Team Quick Step Floors mit Lidl als Co-Sponsor. Die Fahrer von Manager Patrick Lefevere gewannen in der Saison 2018 nicht weniger als 73 Rennen oder Etappen bei Mehrtagesfahrten. Quick Step gewann zudem Gold bei der Rad-WM in Innsbruck im Mannschaftszeitfahren.

Bei der Vuelta in Spanien wurde der Spanier Enric Mas Zweiter, der Niederländer Nikky Terpstra gewann die Flandernrundfahrt, dessen Landsmann Bob Jungels siegte bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und ganz nebenbei wurden 4 Etappen bei der Tour de France, 4 bei der Giro-d’Italia und gleich 5 bei der Vuelta geholt. Lefevere musste also Champagner-mäßig dieses Jahr tief in die Tasche greifen. Beklagt hat er sich nicht…