Belgische Museen bluten aus

Die föderalen Museen in Belgien sind am Ausbluten. In den vergangenen zehn Jahren mussten sie 13 Prozent und manchmal sogar bis zu 30 Prozent einsparen. Mehrere Direktoren sprechen in der französischsprachigen Zeitung “Le Soir” von einer “unmöglichen Situation“, einer "schweren Krise" und einer "Verwahrlosungsaktion".

Die Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien haben zwischen 2007 und 2017 rund 19 Prozent ihres Personals einbüßen müssen. Ihre Dotation sank von 4,5 Millionen Euro 2011 auf 3,4 Millionen Euro im Jahr 2018. In nur sechs Jahren wurde ihr Personalbestand um ein Viertel gekürzt.

Das Naturwissenschaftliche Museum musste innerhalb von fünf Jahren 13 Prozent seines Budgets kürzen. Auch das Afrikamuseum in Tervuren, das erst vor Kurzem gründlich renoviert wurde, verlor ein Viertel seiner Mittel und Beschäftigten.

Die Sparwut ist die Folge von Entscheidungen der Regierung und teilweise eines Mangels an solidem Management. Doch leiden die Museen auch unter einer eingeschränkten Anwendung der europäischen Rechnungslegungsstandards „SEC2010“ durch die belgische Regierung. Belgien hat die Regeln so ausgelegt, dass die Museen bei jedem einzelnen Posten zum budgetären Gleichgewicht gezwungen werden. Sie dürfen nicht  auf Reserven vorangegangener Jahre zurückgreifen.

So sehe sich der Direktor der Königlichen Museen der Schönen Künste, Michel Draguet, mit seinen Erwerbsvorschlägen als einziger in einer Gruppe der 60 größten Museen weltweit systematisch vom Kabinett des Haushaltsministeriums mit den Worten abgewiesen, dass das der ausgeglichene SEC nicht zulasse.

Für die Museen der Schönen Künste hat der SEC-Ausgleich, wie er von Belgien interpretiert wird, eine konkrete Auswirkung: Jeglicher Ankauf eines Kunstwerkes, das teurer als 30.000 Euro ist, wird verhindert. Wenn er über 29.999,99 liege, so Draguet in Le Soir, müsse er sich an die Finanzinspektion wenden, die eine Genehmigung beim Haushaltsministerium beantrage und das lehne seinen Antrag wiederum ab.

Auch ist die Nationallotterie nicht mehr die große finanzielle Stütze, die sie einmal war. Und die Privatwirtschaft ist nicht in der Lage das Loch zu stopfen, das der Staat hinterlässt. So gibt es keine fiskalen Stimuli für die Kulturförderung in Belgien.

14 föderale Wissenschaftseinrichtungen in Belgien,  darunter auch die Königlichen Museen der Schönen Künste, werden auf nationaler Ebene verwaltet, da sie von nationalem Interesse sind.