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Ein besonderer Ort: die St.- Godelieve-Abtei in Brügge

Unser VRT-Fotograf Alexander Dumarey besucht regelmäßig besondere Orte mit einer Geschichte, die manchmal bekannt, manchmal vergessen ist. Manchmal sind die Orte neu, manchmal Jahrhunderte alt. Dieses Mal schoss er Fotos von der St.-Godelieve-Abtei in Brügge.

Die Geschichte der St.-Godelieve-Abtei in Brügge beginnt bei  Godelieve van Gistel. Sie wird gegen 1050 auf Londefort in Wierre-Effroy bei Boulogne-sur-Mer geboren. Godelieve wird mit Bertolf, dem Sohn des Schlossherrn von Gistel vermählt. Ihre Schwiegermutter will von ihr nichts wissen und verbannt sie auf einen Bauernhof, um schwere Arbeiten zu verrichten.

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Gegen 1070 kommt Godelieve auf grausame Art und Weise ums Leben. Zwei Knechte ihres Mannes würgen sie mit einem Tuch und werfen sie danach in einen Brunnen. Ihr werden einige Wunder nachgesagt und sie wird 1084 heiliggesprochen. An der Stelle, an der sie starb, wird eine Abtei erbaut. Etwa 500 Jahre später, 1578, fällt die Abtei einer raubenden Geusenbande zum Opfer. Die Benediktinerinnen flüchten nach Brügge und lassen sich schließlich 1626 an der Boeveriestraat innerhalb der schützenden Stadtmauern nieder.

Zunächst beziehen die Schwestern ein großes Herrenhaus, aber das wird schon bald um eine Kirche erweitert. In den darauffolgenden Jahren kauft die Gemeinschaft die umliegenden Grundstücke auf und erweitert den Komplex 1633 und 1643 um ein Eingangsgebäude und einen neuen Flügel. 1885 folgt ein weiterer Flügel und 1953 wird der Komplex noch ein letztes Mal erweitert. 

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Die Schwestern bewohnen fast 400 Jahre lang ununterbrochen die Abtei an der Boeveriestraat. Nur unter der französischen Verwaltung 1797 und während des Ersten Weltkrieges müssen sie den Komplex für mehrere Jahre verlassen.

Anfang des 21. Jahrhunderts sind nur noch wenige Schwestern in der Abtei übrig. Die letzten Benediktinerinnen ziehen 2014 nach Gistel um. Dort war 1891 erneut eine St.-Godelieve-Abtei errichtet worden.

Nach dem Umzug der Schwestern wird der Hausstand nicht verkauft, sondern alles bleibt erhalten wie es war. 2015 geht die Abtei als Erbpacht für 50 Jahre an die Stadt Brügge. „Brugge Foundation” soll für neue Mittel sorgen und ist zuständig für den Komplex. Derzeit werden alle Säle in der Abtei zur Miete angeboten, aber in Zunkunft soll die St.-Godelieve-Abtei für das breite Publikum zur Besichtigung offen stehen.