"Die Verantwortung liegt bei den Eltern. Erziehung ist alles", sagt Yassine aus Molenbeek zu den Ausschreitungen

In den vergangenen Tagen hat der Brüsseler Stadtteil Molenbeek wieder negative Schlagzeilen gemacht. In der Silvesternacht war es zu schweren Ausschreitungen in der Gemeinde gekommen. Mehrere Jugendliche hatten Autos angezündet und Rettungs-  und Ordnungsdienste mit Steinen beworfen. „Wir haben schon einen schlechten Ruf und der wird immer schlimmer”, ärgert sich der 19-jährige Yassine Tanouti. 

Tanouti hat die Eskalation in der Silvesternacht kommen sehen. Der junge Mann aus Molenbeek suggeriert als Grund für das Chaos die fehlende Erziehung. Die Erziehung liege nun einmal an der Wiege von allem und sei das Wichtigste überhaupt. „Die Verantwortung der Eltern ist sehr groß", so Tanouti.

Tanouti wohnt in Molenbeek und befand sich in der Neujahrsnacht mit Freunden in der Nähe der U-Bahnhaltestelle „Zwarte Vijvers“. Das ist der Ort in Molenbeek, an dem es zu starken Unruhen kam. "Ich war gegen 22 Uhr dort. Als es anfing, zu eskalieren, bin ich nach Hause gegangen. Es wurde jede Menge Feuerwerk gezündet und ich wollte mein Auge nicht verlieren. Mein Freund ist geblieben. Er selbst hat nichts kaputt gemacht, aber alles gesehen. Am Tag danach hat er uns alles berichtet“, erzählt Tanouti im VRT-Radio an diesem Samstagmorgen.

Wie der junge Molenbeekener weiter sagt, habe er schnell begriffen, dass es zu Ausschreitungen kommen würde. "Es hatten sich mehr junge Leute getroffen als letztes Jahr. Die Situation ist eskaliert. Am Anfang war es keine Absicht, zu randalieren. Zunächst haben sie angefangen, Feuerwerk zu zünden. Sie wollten einfach Neujahr genießen. Doch es war Montag und an dem Tag kommt die Müllabfuhr in Molenbeek und deshalb waren die Straßen voll mit Müllsäcken. Sie haben angefangen, die Säcke anzuzünden, danach Tannenbäume und am Ende auch Autos. Als die Polizei eintraf, kam es zur Konfrontation."

Nach Auffassung von Tanouti sei zu wenig Polizei im Einsatz gewesen. "Doch vor allem, weil es zu gefährlich war. Die Jugendlichen haben angefangen, mit allem Möglichen zu werfen und deshalb hat die Polizei entschieden, wegzugehen. Dann haben die Jugendlichen angefangen, die Geschäfte zu plündern.“

„Ich hatte eine gute Erziehung und habe nichts zerstört“

Tanouti war über das Verhalten vieler seiner Altersgenossen erschrocken. „Letztes Jahr war es weniger schlimm. Da war es nur Feuerwerk. Dieses Jahr war das echt Vandalismus. Ich wusste nicht, dass es so schlimm werden würde. Das ärgert mich total. Wir haben schon einen schlechten Ruf. Das macht alles noch viel schlimmer. Das ist es nicht, was wir wollen.“

Doch wer waren diese jungen Leute, die randaliert haben? „Es waren Jugendliche aus Molenbeek. Junge Leute, die auf der Straße herumhängen und arbeitslos sind. Es waren selbst welche dabei, die jünger als 16 sind. Für mich sind das Mitläufer. Sie folgen den anderen, die alles kaputt machen, ohne echt zu wissen, warum sie das machen und was die Konsequenzen davon sind", so Yassine Tanouti.

Tanouti sieht vor allem die Verantwortung bei den Eltern. “Erziehung ist sehr wichtig und die Grundlage von allem. Wenn Du gut erzogen bist, dann beendest Du die Schule und findest Arbeit. Die Verantwortung der Eltern ist sehr groß, denke ich. Ich habe eine gute Erziehung genossen. Ich komme aus Molenbeek und wohne dort schon seit 19 Jahren. Ich habe nichts zerstört."