Jobabbau bei Proximus - Regierung lädt CEO Leroy vor, Börsenhandel zeitweise ausgesetzt

Beim belgischen Telekomriesen Proximus sind offenbar bis zu 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Dies verlautet aus Kreisen der sozialistischen Gewerkschaft ACOD, die von einer vom Aufsichtsrat des Unternehmens besprochener „Kostenoptimierung“ spricht. Belgien Premierminister Charles Michel (MR) hat Proximus-CEO Dominique Leroy (Foto) in sein Kabinett vorgeladen, um nähere Einzelheiten dazu erfahren, denn der Telekomanbieter nahm bisher dazu nicht Stellung. Inzwischen ist der Handel mit Proximus-Anteilen an der Brüsseler Börse ausgesetzt worden.

Bei belgischen Telekomanbieter Proximus sind unruhige Zeiten angebrochen, nach dem die sozialistische Gewerkschaft ACOD bekannt gab, dass möglicherweise bis zu 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr sein sollen. Der Entwurf eines dahingehenden Umstrukturierungsplans sei bei einer Sitzung des Proximus-Aufsichtsrates, bei das Budget und die nähere Zukunft besprochen wurde, so die ACOD. Es sei die Rede von „Kostenoptimierung“ gewesen.

Offiziell gibt Proximus dazu lediglich bekannt, dass man an einem Dreijahresplan arbeite, mit dem das Unternehmen rascher reformiert werden könnte, als bisher geplant. Proximus will sich damit besser auf die heutigen Herausforderungen des Unternehmens z.B. im Hinblick auf die Digitalisierung vorbereiten. Hintergrund für dieses Vorhaben ist möglicherweise auch die Entscheidung der geschäftsführenden belgischen Bundesregierung, den hiesigen Telekommarkt für einen vierten Anbieter zu öffnen, was bei Proximus auf völliges Unverständnis stieß.

Das bei Proximus 2.000 der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze vor einer Streichung stehen, beunruhigt die geschäftsführende Regierung von Premier Michel, gerade auch, weil es sich bei dem Telekomriesen um ein halbstaatliches Unternehmen handelt. Jetzt lud der Regierungschef Proximus-CEO Dominique Leroy in sein Kabinett ein, um Genaueres zu erfahren. Er und seine Regierung würden es nicht hinnehmen, von Proximus auf diese Weise vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Belgiens Börsenwachhund FSMA ließ am Mittwoch wissen, dass der Handel mit Proximus-Aktien an der Brüsseler Euronext-Börde bis auf weiteres ausgesetzt worden ist, zumindest bis mehr Deutlichkeit zum Vorhaben des Unternehmens besteht. 42 % der Proximus-Aktien werden an der Börse gehandelt, 53,5 % der Aktien gehören dem belgischen Staat und der Rest ist in Händen des Konzerns selbst. 

Im Laufe des Mittwochs wurde bekannt, dass Proximus rund 1.900 Arbeitnehmer freistellen und gleichzeitig 1.250 neue Mitarbeiter einstellen will. Dies teilte Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V) nach einem Gespräch auf Regierungsebene mit der Führung des Telekomanbieters mit. Damit bestätigten sich die Gerüchte, die zuerst die Runde machten, in etwa.

Die neuen Mitarbeiter bei Proximus sollen zeitgemäße Profile mitbringen, mit denen das Unternehmen die Herausforderung der Digitalisierung angehen möchte. Wie allerdings vereinbar ist, dass ältere Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen sollen, während jüngere neueingestellt werden sollen, bleibt fraglich, zumal die Regierung die Beschäftigten heute über die Anhebung des Rentenalters länger arbeiten lassen will…