Anschlag auf das Jüdische Museum: Prozessbeginn in Brüssel

An diesem Donnerstag beginnt der Prozess zum Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014. Angeklagt sind der mutmaßliche Haupttäter Mehdi Nemmouche und ein Mittäter, Nacer Benrer. Das Schwurgerichtsverfahren findet unter umfassenden Sicherheitsvorkehrungen statt. Beim Prozessbeginn war schon einer der Geschworenen nicht erschienen.

In den kommenden Tagen und Wochen werden zahlreiche Personen vor Gericht befragt: Zeugen, Polizisten, Ersthelfer, Angehörige der Opfer, die Angeklagten selbst… Dabei werden sowohl die Tat selbst, als auch die Ermittlungen danach beleuchtet. An diesem ersten Prozesstag erschienen die beiden Angeklagten bereits sehr früh im Brüsseler Justizpalast. Zunächst wird die Anklageschrift vorgelesen, in der die Ermittlungen zusammengefasst sind.

Darin wird z.B. beschrieben, was geschah und wie die Polizisten und die Notärzte die Opfer gefunden haben. Auch die Suche nach dem mutmaßlichen Täter wird hier im Einzelnen erklärt. An diesem ersten Prozesstag war eine der Geschworenen nicht erschienen. Sie gab als Begründung an, sie habe keinen Babysitter finden können… Sie wurde durch den ersten Ersatzkandidaten ersetzt. Damit besteht die Jury aus neun Männern und drei Frauen.

Die Verteidigung versuchte zu Beginn des Verfahrens gleich mit Verfahrensfehlern aufzuwarten. So soll eine französische Vereinigung nicht das Recht haben, als Nebenkläger aufzutreten, doch diese Kritik wies das Gericht zurück, denn bei dem Anschlag war ein französischer Staatsbürger ums Leben gekommen.

Vor dem Justizpalast sichert ein Großaufgebot der Polizei das Verfahren, das sich quasi mit dem ersten Anschlag der islamistischen Terrororganisation IS befasst. Rund um das Gebäude sind Straßen abgesperrt, patrouillieren schwer bewaffnete Polizeistreifen und sichern Panzerwagen die Umgebung ab. Auch im Justizpalast selbst ist die Polizei anwesend.

Der Anschlag und Nemmouches Festnahme

Der 24. Mai 2014 war für das Jüdische Museum in Brüssel (Foto ein Schicksalstag. Ein schwer bewaffneter Terrorist drang an diesem Tag in das Museum ein und schoss wild um sich. Dabei tötete er zwei aus Israel gekommene Besucher und eine ehrenamtlich dort tätige Französin. Ein junger Techniker, der ebenfalls im dem Museum arbeitete, erlag Tage später seinen schweren Schussverletzungen.

Der Hauptangeklagte Mehdi Nemmouche wurde Ende Mai 2014 in der französischen Hafenstadt Marseille verhaftet. Er war bei seiner Verhaftung im Besitz einer Kalaschnikow-Maschinenpistole, eines Revolvers und Munition. Waffen des gleichen Typs waren bei dem Attentat benutzt worden.

Nemmouche stammt aus der nordfranzösischen Stadt Roubaix und hat auch für die islamistische Terrororganisation IS in Syrien gekämpft. Er soll damals mit einem Fernbus von Brüssel nach Marseille gereist sein. Dort wurde er bei seiner Ankunft im Busbahnhof Marseille Saint-Charles während einer Zollkontrolle entdeckt.

Im Gepäck des wegen eines bewaffneten Überfalls auf einen Supermarkt vorbestraften Mannes wurde auch die Speicherkarte einer Kamera entdeckt. Auf einen Video darin ist ein Mann mit einer Kalaschnikow in der einen und einer Kamera in der anderen Hand zu sehen. Er erzählt dabei, er habe mit dieser Waffe einen Anschlag auf das Jüdische Museum verübt. Nemmouche wurde kurz nach seiner Verhaftung an die belgische Justiz überstellt.

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