Foto: Andreas Kockartz

Ein Besuch im erneuerten AfrikaMuseum in Tervuren

Vor knapp einem Monat, am 8. Dezember 2018, wurde das AfrikaMuseum in Tervuren bei Brüssel nach rund vier Jahren Renovierung wiedereröffnet. Ziel dieser Arbeiten war eine Neuausrichtung der Einrichtung, die bei ihrer Eröffnung vor über 100 Jahren sowohl als Museum, als auch als Forschungseinrichtung seiner Bestimmung übergeben wurde. Vor dem Hintergrund der unrühmlichen belgischen Kolonialzeit lohnt sich ein Besuch dieses ehemaligen „Museums von Belgisch-Kongo“ in diesen Tagen auf jeden Fall, denn es stellt sich auch diesem Thema. 

Dass hier in den vergangenen vier Jahren rund 66,5 Mio. €  verbaut wurden, sieht man dem neuen AfrikaMuseum sofort an. Ein modernes lichtdurchflutetes Empfangsgebäude (Foto unten) unweit der Wendeschleife der Brüsseler Tramlinie 44 in Tervuren mit seinen Kassen, einem Infostand, einem Museumsshop und einem Bistrot im Obergeschoss machen bereits von Anfang an neugierig. Die Zuschauerschlangen, die beweisen, dass viele Zeitgenossen gespannt auf das neue AfrikaMuseum sind, sind buntgemischt. Man hört viele Sprache und stellt sogleich fest, dass unter den nationalen und internationalen Besuchern auch zahlreiche aus afrikanischen Ländern stammende Menschen sind.

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Foto: Andreas Kockartz

Um das eigentliche Museum zu erreichen, müssen die Besucher durch einen langen weißen Tunnel wandern, in dem lediglich ein afrikanischer Einbaum steht. Auf der rechten Wand ist eine Art Motto zu lesen, auf dass man sich gerne einlässt, denn es macht durchaus auf das Ziel der Neuausrichtung des AfrikaMuseum aufmerksam und dies gleich in vier Sprachen - Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch (viele Texte in diesem Museum sind übrigens auch in der dritten Landessprache in Belgien zu lesen): „Alles geht vorbei, außer der Vergangenheit“. Über eine Art Archiv mit vielen kolonialrelevanten Figuren und anderen Elementen und einigen erklärenden Texten geht es dann ins eigentliche Gebäude, das den Besucher angesichts seiner imposanten Dimension in Erstaunen bringt, bei weitem nicht nur den, der noch nie - also vor der Renovierung - in diesem AfrikaMuseum war.

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Foto: Andreas Kockartz

Im Hauptgebäude angelangt, beginnt die Reise, eine Reise zu einem bunten Kontinenten, in ein buntes Land, das die ehemalige belgische Kolonie, die heutige Demokratische Republik Kongo zweifellos ist. Die völlig neuausgerichtete Einrichtung nutzt vieles von dem, was bisher im AfrikaMuseum zu sehen war, doch ergänzt wird dies alles durch zeitgenössische technische Möglichkeiten. Das sind Bildschirme, auf denen Kongolesen zu bestimmten Themen Stellung nehmen, das sind Touch Screens, Videowände, Leuchtbilder und vieles mehr.

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Foto: Andreas Kockartz
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In den vielen verschiedenen Themensälen zeigt sich auf der einen Seite die Vielfalt der Sammlungen. In altbacken scheinenden Schaukästen, die zum Teil wohl über 100 Jahre alt sind, beweist sich, dass das Museum auch immer eine Forschungseinrichtung war und weiter sein wird. Die faszinierende Flora und Fauna Kongos ist ebenso greif- und begreifbar, wie auch die Geschichte des Landes, sein Reichtum und seine Bodenschätze und damit auch die bis heute fühlbare anhaltende Ausbeutung.

Und doch geht vom AfrikaMuseum eine positive Botschaft aus, die es immer vor dem Hintergrund und mit dem Wissen um die unrühmliche belgisch-kongolesische Kolonialgeschichte zu erfassen gilt. Dabei helfen zahlreiche ausgestopfte Tiere, die Möglichkeit nicht nur für Kinder ausgestellte Gegenstände, wie Tierhäute, Musikinstrumente und anderes mehr auch zu berühren. Die Institution ist eindeutig auch auf Familien ausgerichtet.

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Foto: Andreas Kockartz
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Diese und andere mit den Mitteln der heutigen Technologie nutzbare Ausstellungsgegenstände machen das AfrikaMuseum in seiner heutigen Form mehr denn je zu einem Kinder- und Familienfreundlichen Museum, dass sich in die Reihe der vielen Brüsseler Museen, die ihren Bildungsauftrag ernst nehmen, nahtlos einreiht. Und doch ist das Museum heute auch eine kritische Einrichtung, die sich der Geschichte und der Gegenwart des Themas Afrika im Allgemeinen und Kongo im Besonderen stellt, ohne allerdings anzuklagen. Das betrifft zum einen die damaligen Kolonialherren und zum anderen auch die heutigen Machthaber in der Demokratische Republik Kongo. Trotzdem werden auch Themen, wie die Sklaverei, die Ausbeutung von Menschen, Umwelt und Bodenschätzen oder auch die Zwangschristianisierung besprochen und verständlich dargestellt.

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Foto: Andreas Kockartz
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Abgerundet wird das Museum mit einer virtuellen Bibliothek, AfricaTube genannt. Hier wird ein Link zum heutigen modernen Afrika gelegt. Auch die digitale Welt ist dort angelangt, Stichwort Afro-Cyberspace. Junge Leute lassen die Betrachter in ihre eigene Welt, in ihr eigenes Afrika eintauchen Dazu nutzen sie alle aktuellen technologischen Hilfsmittel, wie Blogs, Filme und Musik und vieles mehr.

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Foto: Andreas Kockartz

120 Jahre nach dem Erbau des AfrikaMuseums haben wir einen völlig anderen Blick auf das, was damals in den ehemaligen belgischen Kolonien geschah. Diesem neuen Blick bietet das neurenovierte Haus einen passenden Rahmen und geht dabei auch in gewissem Maße der Konfrontation nicht aus dem Weg. Ob dies gelungen ist, mag jeder für sich ausmachen. Auf jeden Fall ist das runderneuerte AfrikaMuseum einen Besuch wert.

AfrikaMuseum, Leuvensesteenweg 13, B-3080 Tervuren. Info: +32 2 769 52 11 oder info@africamuseum.be / www.africamuseum.be. Das Museum ist mit der Brüsseler Straßenbahnlinie 44 (die wohl schönste Tramstrecke Brüssels) von Montgomery aus zu erreichen oder von Bahnhof Löwen (Leuven) aus einmal pro Stunde mit dem Schnellbus 410 Richtung Brüssel. 

Foto: Andreas Kockartz