“Komplette Demütigung”, “Historische Niederlage” - Flanderns Zeitungen zur Brexit-Abstimmung

Wie soll es jetzt weitergehen mit Großbritannien, nach dem der Brexit-Deal von Premierministerin May am Dienstagabend mit großer Mehrheit in London abgelehnt wurde? Die Leitartikler der flämischen Tageszeitungen sind sich nur in einem einig: Die Briten sind hoffnungslos zerstritten.

De Standaard geht davon aus, dass Großbritannien im Chaos versinken wird. Premierministerin Theresa May habe jetzt drei Tage lang Zeit, einen neuen Plan vorzulegen. Aber, schon vorher kann die britische Regierung fallen, so Leitartikler Bart Sturtewagen, und es könnte zu Neuwahlen kommen. So oder so könne aber kein geordneter Austritt der Briten aus der EU kommen: „Es steht zu befürchten, dass die Briten jetzt zum ersten Mal konkret mit den Folgen ihrer Wahl konfrontiert werden und dies bevor sie mit sich reden lassen.“

Für De Morgen ist nur eine Lösung möglich: Neuwahlen. Entweder trete May selbst zurück oder der Misstrauensantrag von Oppositionsführer Jeremy Corbyn findet ausreichend Unterstützung: „Wahlen erzwingen ist die beste Antwort auf diese streitende Mehrheit“. Es wäre zudem nicht schlecht, so die Idee von Kommentator Maarten Rabaey, diese Wahlen zusammen mit einem „Peoples Vote“ zum Brexit zu legen. Die Frage könnte dabei denkbar einfach sein: „Sind sie für oder gegen die Fortsetzung des Brexit?“ Es sei an der Zeit, so De Morgen, dass alle Beteiligten, auch Labour-Chef Corbyn, Farbe bekennen.

Het Nieuwsblad geht von einem „tiefen schwarzen Loch“ für die Zukunft aus. Peter Mijlemans sieht auch ein Problem in der tiefen Zerstrittenheit in Nein-Lager. Die einen sind gegen den Brexit-Deal, weil ihnen die Abmachungen mit der EU zu weit gehen und die anderen stimmten dagegen, weil sie nicht weit genug gingen. Damit sei aber die Gefahr, dass es zu einem ungeordneten Brexit komme, deutlich gestiegen: „Dann fallen die Briten in ein tiefes schwarzes Loch und ziehen Europa mit hinein.“ Schuld daran habe die nostalgische britische Auffassung von einer Identität als Weltmacht. „Brittania rules the waves“ hat dies zur Strecke gebracht. Die Zeche, so Het Nieuwsblad, zahle der Bürger.

Ganz anders sieht die Wirtschaftszeitung De Tijd die Lage in Großbritannien. Leitartikler Jean Vanempten glaubt nicht, dass Theresa May so schnell verschwinden werde. Sie gewinne womöglich eine Vertrauensabstimmung und überstehe zudem eine „Palastrevolution“ in ihrer eigenen konservativen Partei. Alles andere jedoch sei eine einzige offene Frage, denn die britische Politik habe keine einheitliche Herangehensweise daran, wie man den Brexit organisieren könnte: „Die britischen Politiker müssen sich jetzt selbst aus der Krise holen.“ Das werde nicht einfach und verlange einiges an Kreativität. Die Politiker im Rest von Europa sollten mal besser auf einen „harten Brexit“ vorbereiten.

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