Brexit: Nur etwa jedes fünfte belgische Unternehmen auf neue Zollformalitäten vorbereitet

Nach Angaben von Belgiens geschäftsführendem Finanzminister Alexander De Croo (Open VLD) sind rund 20.000 der insgesamt etwa 25.000 hiesigen Unternehmen, die Geschäfte mit Großbritannien machen, auf den Brexit vorbereitet. Das betrifft vor allem die neuen Zollformalitäten, die der Austritt der Briten aus der EU mit sich bringen wird. Gerade für das belgische Bundesland Flandern ist eine formelle Vorbereitung auf den Brexit auf Firmenebene unerlässlich.

Großbritannien war z.B. im Jahr 2017 Flanderns viertwichtigste Ausruhrbestimmung und das fünfte Importland. Und gerade in Sachen Export und Import sind die nach dem Brexit anfallenden neuen Bestimmungen in Sachen Zoll und in der Lebensmittelindustrie zudem noch in Sachen Nahrungsmittelsicherheit extrem wichtig. Während viele Großunternehmen inzwischen Mitarbeiter beschäftigen, deren einziges Betätigungsfeld der Brexit ist, hinken die meisten kleineren und mittelständischen Unternehmen in dieser Frage hinterher.

Die Niederlage der britischen Premierministerin Theresa May im Parlament mit ihrem mit der EU abgesprochenen Brexit-Deal unterstreicht jetzt wohl endgültig die Dringlichkeit in dieser Frage, wie Alexander De Croo, Finanzminister der geschäftsführenden belgischen Bundesregierung, am Mittwoch andeutet: „Wenn die Briten den Brexit in den kommenden Tagen nicht absagen, müssen belgische Unternehmen, die mit Großbritannien Handel treiben, in Zukunft Zollverpflichtungen nachkommen.“ 

„Wenn die Briten den Brexit in den kommenden Tagen nicht absagen, müssen belgische Unternehmen, die mit Großbritannien Handel treiben, in Zukunft Zollverpflichtungen nachkommen.“

Belgiens Finanzminister Alexander De Croo

Das mag seltsam klingen, denn seit mehr als 25 Jahren haben die allermeisten belgischen Unternehmen so gut wie nichts mehr mit dem Zoll zu tun. Das erste, was die Firmen mit britischen Geschäftspartnern tun müssen, so De Croo eindringlich, ist eine sogenannte EORI-Nummer zu beantragen. Ohne eine solche für jede Firma individuelle Identifikationsnummer kann keine Zollformalität abgewickelt werden. Einfach ausgedrückt: Ohne EORI-Nummer kein Export und kein Import… Derzeit habt nur etwa ein Fünftel aller betroffenen Unternehmen in Flandern eine solche Identifikationsnummer. 

„Der Brexit ist ein Tsunami für die Unternehmenswelt, die Handel mit Großbritannien treibt.“

Aus einer Mitteilung der Allgemeinen Verwaltung für Zoll und Akzisen

Das belgische Wirtschaftsministerium wird jetzt die Wege dahingehend verkürzen. Im Laufe der nächsten Tage werden alle betroffenen Unternehmen ein Schreiben vom Zoll erhalten, in dem sie eine solche EORI-Nummer finden. Diese Firmen müssen danach lediglich noch Vertreter bestimmen, denen die Vollmachten gegeben werden, mit dieser EORI-Nummer zu arbeiten, so der Finanzminister.

Ebenfalls noch in dieser Woche werden die Unternehmerverbände gemeinsam mit der Zollverwaltung und Vertretern des Wirtschaftsministeriums zusammensitzen, um alle notwendigen Schritte noch einmal zu besprechen. Selbst bei der Allgemeinen Verwaltung für Zoll und Akzisen ist man derzeit beunruhigt, wie es in einer Mitteilung dieser Behörde heißt: „Der Brexit ist ein Tsunami für die Unternehmenswelt, die Handel mit Großbritannien treibt. Der Zoll tut alles daran, um die Unternehmen gegen diesen Tsunami zu schützen, indem er sie informiert und beim Ausfüllen ihrer Zollformalitäten zu begleiten.“