Der Brexit beunruhigt die Hafenbetriebe in Antwerpen und Zeebrügge

Nur einen Tag nach dem Abstimmungsergebnis gegen den Brexit-Deal mit der EU im britischen Parlament reagieren auch die großen Häfen in Belgien auf das, was nun folgen kann. Im Zeebrügge, wo der Handel mit Großbritannien eine sehr große Rolle spielt, ist man besorgt. In Antwerpen plädiert man sogar für eine Verschiebung des Brexit. 

Im Hafen von Zeebrügge, wo ein Großteil des Warentransportes zwischen Teilen des europäischen Festlands und den britischen Inseln abgewickelt wird, sieht man die Befürchtungen aus der jüngsten Vergangenheit nach dem Verwerfen des Brexit-Deals bestätigt. Hafen-CEO Joachim Coens sagte dazu am Mittwochmorgen gegenüber VRT NWS: „Jetzt werden alle Hände gebraucht, um uns auf einen harten Brexit vorzubereiten.“

Ein harter Brexit, also ein Austritt der Briten ohne einen Deal mit der EU am 29. März 2019, würde bedeuten, dass es an den dann neuen Außengrenzen der EU, ganz bestimmt also in Zeebrügge, zu strengen Zollkontrollen bei Export und Import kommen wird. Der Hafenchef würde sich über etwas mehr Zeit durchaus freuen: „Es ist absolut noch nicht deutlich, was passieren wird. Doch die Möglichkeit eines harten Brexit ist größer geworden. Es wäre viel besser, noch etwas Zeit zu haben, eine Art Übergangsperiode, in der doch noch versucht werden kann, eine Einigung zu finden.“ 

„Es ist absolut noch nicht deutlich, was passieren wird.“

Zeebrügges Hafen-CEO Joachim Coens

Was sich Joachim Coens in Zeebrügge vorsichtig noch wünscht, ist für dessen Kollegen in Antwerpen, Jacques Vermeire, eine absolute Notwendigkeit. Er sagte gegenüber VRT NWS am Mittwochmorgen, dass man deutlich mehr Zeit brauche, um sich auf das Allerschlimmste vorzubereiten: „Wenn Europa und Großbritannien bis gegen Ende März keine einzige Einigung erzielt haben, dann betreten wir unbekanntes Gebiet und unseren Unternehmen droht ein Chaos. Es wäre gut, wenn alle Partner mehr Zeit hätten, um sich auf das Allerschlimmste vorzubereiten.“

Für Vermeire ist ein Hinausschieben des Brexit denn auch dringend notwendig: „Damit hatten der Zoll und die Lebensmittelbehörden mehr Zeit, zusätzliches Personal anzuwerben. Mehr Grenzkontrollen erfordern mehr Personal und auch die Unternehmen haben viel zu lange gewartet, um zu reagieren. Sie schießen erst jetzt in Aktion.“

„Wenn Europa und Großbritannien bis gegen Ende März keine einzige Einigung erzielt haben, dann betreten wir unbekanntes Gebiet und unseren Unternehmen droht ein Chaos.“

Antwerpens Hafen-CEO Jacques Vermeire

Ohne eine Übergangsperiode drohe Unklarheit bezüglich Zolltarifen, Regelungen und Kontrollen. Großbritannien ist der viertwichtigste Handelspartner des Antwerpener Hafens. Von den 235 Mio. Tonnen Waren und Gütern, die dort behandelt wurden, betrafen 15 Mio. Tonnen Aus- und Einfuhr mit den britischen Inseln. Extrem werden die Lage für jene Unternehmen, die einzig und alleine mit britischen Partner arbeiten würden, so Hafen-CEO Vermeire abschließend.