Parlamentswahlen: Chefredakteur eines jüdischen Magazins kandidiert für die N-VA

Michael Freilich (Foto Mitte), der Chefredakteur der Zeitschrift „Joods Actueel“ („Jüdische Aktuelle“), tritt für die flämischen Nationaldemokraten N-VA bei den Parlamentswahlen am 26. Mai 2019 an. Freilich steht an 5. Stelle auf der Kammerliste der Antwerpener N-VA. Seinen Posten als Chefredakteur gibt der Antwerpener Jude auf. Michael Freilich entstammt einer flämisch-gesinnten Familie.

„Ich werde kämpfen, wie ein echter flämischer Löwe.“, sagte Michael Freilich, Noch-Chefredakteur des flämischen Magazins „Joods Actueel“. Zwölf Jahre lang stand er an der Spitze dieses Blattes, das sein Großvater Louis Davids ins Leben gerufen hat, um den Juden auch außerhalb Antwerpens eine Stimme zu geben. „Joods Actuell“ ist recht konservativ und tritt bei vermeintlichem Antisemitismus auch harsch gegen führende belgische Politiker oder Medien auf, wenn es denn sein muss.

Michael Freilich ist Sohn eines jüdischen Vaters mit rumänischen Wurzeln und einer jüdischen Mutter mit ungarischen Vorfahren. Doch seine Familie ist deutlich flämisch gesinnt und in Antwerpen seit Generationen zu Hause. Schon Großvater Louis Davids, Gründer von „Joods Actueel“ forderte von seinen jüdischen Glaubensgenossen in Flandern, dass sie die niederländische Muttersprache lernen und sprechen sollten.

Dass es zwischen Freilichs‘ Blatt und der N-VA eine gewisse Nähe gibt, ist nicht wirklich etwas Neues. „Die N-VA entspricht in vielen Punkten meinen Auffassungen“, so Freilich: „Die Partei steht für die Aufklärung und für die jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft.“ Doch auch auf Ebene der Einwanderung und der Sicherheit vertreten Freilich und die N-VA ähnliche Werte: „Das Chaos mit der unkontrollierten Einwanderung geht nicht länger. Das Marrakesch-Abkommen gab den Ausschlag für meine Kandidatur. Ich plädiere für eine kontrollierte Einwanderung nach kanadischem Beispiel.“ 

Kandidat aller Flamen

Natürlich spielt auch das Thema Terrorismus in der jüdischen Gemeinschaft in Antwerpen, in Flandern und in Belgien eine wichtige Rolle: „Ist es normal, dass schwerbewaffnete Soldaten immer noch unsere Schulen und Straßen bewachen müssen?“ Als Jude sei es auch heute noch nicht evident, mit einem Keppel auf die Straße zu gehen.

Seine traditionelle jüdische Kopfbedeckung will Michael Freilich allerdings im belgischen Bundesparlament, wenn er denn gewählt wird, ablegen. Das habe auch damit zu tun, dass er alle Flamen ansprechen wolle und nicht nur die Juden.

Michael Freilich bekleidet einen aussichtsreichen 5. Platz auf der Antwerpener N-VA-Kammerliste für die Parlamentswahlen am 26. Mai 2019. Spitzenkandidat ist Ex-Bundesinnenminister Jan Jambon und angeschoben wird diese Liste von Peter De Roover, dem Fraktionsvorsitzenden der N-VA in der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament. 

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