Profitiert die Pharmaindustrie in Belgien von der sozialen Sicherheit?

Nach Recherchen der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws haben die Vergütungen für sieben bestimmte Medikamente die soziale Sicherheit in Belgien innerhalb nur wenigen Jahren rund 120 Mio. € gekostet. Laut dem Apothekerverband APT hätten diese Mittel auch in den Apotheken hergestellt werden können, was nur etwa 10 Mio. € gekostet hätte. 

Der Apothekenverband APT und die Christliche Krankenkasse in Belgien fordern in diesem Zusammenhang mehr staatliche Förderung für selbst zusammenzustellende Medikamente. Beide ärgern sich über die gängigen Praktiken der Pharmahersteller, nach denen altbekannte Medikamente als neu und unter neuem Namen wieder in den Handel kommen, allerdings oft zu Preisen, die um ein Vielfaches höher liegen, als das alte Basismedikament. Ein so auf den Markt gebrachtes „neues“ Produkt lassen die Pharmakonzerne dann registrieren und auf die Liste der Medikamente setzen, die die Kassen vergüten.

Laut Apothekenverband APT und der Universität von Löwen (KULeuven), die an der Studie zu den Praktiken der Pharmahersteller beteiligt war, können die Konzerne so auch auf teure Forschungen verzichten, denn alle Nebenwirkungen dieser Medikamente seien ja bereits bekannt. Nicht selten seien die damaligen Untersuchungen zur Produktion der altbekannten Mitten auch mit Steuergeldern finanziert worden, so die Beteiligten. Zudem seien die meisten der betroffenen Medikamente in den letzten Jahren auch Mittel gewesen, die die Apotheker auf Bestellung von Ärzten und Patienten selber herstellen können.

Deshalb fordern die Christliche Krankenkasse und der APT mehr staatliche Förderung von selbstherstellbaren Medikamenten. Lieven Zwaenepoel vom Apothekenverband APT sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass die Apotheker für einige Produkte bereits eigene Lösungen gefunden haben, doch „dies ist natürlich nicht möglich bei Medikamenten für seltene Krankheiten. Die Pharmaunternehmen reagierten auf die Vorschläge des APT und der Kassen, dass es qualitative Unterschiede zwischen den von ihnen hergestellten Medikamenten und Produkten, die in Apotheken zubereitet werden, geben würde. Dies jedoch tut Lieven Zwaenepoel als „Blödsinn“ ab: „Natürlich kann es zu Unterschieden kommen, doch im Hinblick auf die Nöte der Patienten und die entstehenden Unkosten für die Kassen sind diese verschwindend gering.“ 

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