Evelyne jacq

Belgiens Fischer gehen in Sachen Brexit vom Schlimmsten aus

Einer der Sektoren, die am stärksten von einem harten Brexit betroffen sein werden, ist die Fischerei. Besonders hat wird ein ungeregeltes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU auch die belgischen Fischer treffen, denn rund die Hälfte ihres Fangs kommt aus britischen Gewässern. Es besteht wohl kaum Zweifel daran, dass sie nach dem Brexit dort nicht mehr unbedingt willkommen sein werden.

Belgiens Fischereisektor beschränkt sich auf Flandern, denn dieses Bundesland ist die einzige Region, die an der Nordseeküste liegt. Klar ist, dass die Fischerei in Belgien denn auch in erster Linie eine flämische Angelegenheit ist.

Diesen Sektor trifft ein harter Brexit besonders deutlich, denn 54 % des gesamten hiesigen Fischfangs wird in britischen Gewässern gefangen. Belgiens Fischer dürfen dort ihre Netze auswerfen, weil dies über Abkommen und Fangquoten durch die Europäische Union so geregelt ist.

Wenn die Briten aber diese EU verlassen, sind alle bis dahin geltenden Verträge Makulatur. Keine der bisherigen Regeln greift dann noch. Und wenn die belgischen Fischerboote nicht mehr in den britischen Gewässern geduldet werden, stellt dies eine Bedrohung des gesamten Sektors dar. 

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Hollandse-Hoogte

Harter oder geregelter Brexit…

Falls es nicht zu einem harten und ungeregelten Brexit kommt, sondern zu einem Austritt der Briten aus der EU mit einem Deal mit der Union und es den belgischen Fischern weiter zugestanden wird, dort auszufahren, steht ein anderes Problem vor der Tür. Die hiesigen Fischerboote bringen fast ihren gesamten Fang in britischen Häfen an Land. Der Fisch wird dort verpackt und per Lastwagen und Fähre nach Belgien gebracht - zumeist via Ostende oder Zeebrügge.

Doch bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU selbst mit einem Abkommen würde dieser Fisch kein europäisches (sprich belgisches) Erzeugnis sein, sondern ein britisches. Und dann fallen Export- und Importtarife an… 

Existenzangst bei einem gesamten Wirtschaftszweig

So oder so stehen der hiesigen Fischerei enorme Probleme bevor, die für eine Existenzangst in einem gesamten Wirtschaftszweig sorgt. Flanderns Landwirtschafts- und Fischereibehörden gehen von Einkommensverlusten von zwischen 10 und 20 % aus. Ein solcher Verlust ist für nicht wenige Fischer eine Überlebensfrage. Die Flämische Reedereizentrale, die die Interessen der hiesigen Fischer und ihrer Flotte vertritt, gibt sich aber kämpferisch. 

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Dort heißt es dazu, dass man mit aller Kraft versuche, am derzeitigen Status Quo festzuhalten. Die Fischerei verlange immer eine Kooperation zwischen verschiedenen Ländern, also auch mit Großbritannien. Dies sei und bleibe im Sinne einer nachhaltigen Fischerei für alle Beteiligten notwendig.

Sicher ist aber schon jetzt, dass der Brexit - auch wenn die hier beschriebenen Probleme gelöst werden könnten - für höhere Preise sorgen wird. Fischsorten, wie z.B. Seezunge, würden damit seltener und teurer.

Eine Folge wäre z.B., dass es zu Überfischung in den belgischen, den niederländischen, den französischen, den irischen und den dänischen Gewässern kommen wird. Die niederländischen Fischer stehen übrigens vor dem gleichen Problem. In unserem Nachbarland kommt bis zu 60 % des gesamten Fangs aus britischen Gewässern. 

IPBES/Split Second Stock/Shutterstock.com

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