Danny Gys/Reporters

Europäische Verteidigung oder europäische Armee?

Es ist derzeit wohl in allen Ländern der EU Thema, eine gemeinsame Verteidigung in der Krise. Doch das bedeutet noch keine EU-Armee. In einem Interview mit der Zeitung Le Soir hat sich der Chef der belgischen Armee, General Marc Compernol, u.a. zur europäischen Verteidigungspolitik geäußert. Die Zukunft unserer Verteidigung liege in strategischen Partnerschaften mit befreundeten Ländern, so der Armeechef.

Indem die Belgier die gleichen Kampffahrzeuge wie die Franzosen kauften, hätten sie sich auch für die gleiche Art, zu arbeiten entschieden und für eine gemeinsame Wartung der Geräte. Man habe sich in dem Moment zudem entschieden, die Ersatzteile mit den Franzosen gemeinsam zu verwalten und die künftigen, noch zu entwickelnden Systeme gemeinsam durchzuführen. Finanziell gewännen dadurch beide Länder. Man habe damit einen privilegierten Partner für den Einsatz gewonnen, so General Marc Compernol. Die Marine mache das gleiche mit den Niederlanden.

„Wir wurden viel für das F-35 Kampfflugzeug kritisiert. Es hat bei der Ausschreibung am besten abgeschnitten. Dafür kann ich nichts. Es stimmt, dass der Kampfjet nicht europäisch ist, sondern amerikanisch. Doch die Niederländer, Italiener, Briten, Norweger und Dänen haben ihn schon oder haben ihn gekauft. Die Deutschen denken darüber nach. Das sind alles europäische Staaten. Wenn wir das gleiche Flugzeug haben, können wir kooperieren und zusammenarbeiten“, wird General Compernol in der Zeitung Le Soir zitiert.

Auf die Frage, ob der Chef der belgische Armee an eine europäische Verteidigung glaube, antwortet Marc Compernol, man müsse zunächst einmal zwei Probleme lösen. „Auf politischer Ebene sind wir keine Union. Das ist eine Wirtschaftsunion.“ Die größten Probleme bereiteten die wirtschaftlichen und militärischen Potenziale der großen Länder, ist der General überzeugt. Solange die Franzosen immer nur französisches Material wollten und die Deutschen nur deutsches, käme man nicht voran. „Die Amerikaner haben ein einziges Fahrzeug der Infanterie, die Europäer haben 19 verschiedene.“ Das führe natürlich zu Problemen, zum Beispiel bei den Ersatzteilen. In den europäischen Armeen existierten zum Beispiel auch 20 verschiedene Versionen des Hubschraubers NH90. Schon beim gemeinsamen Material werde es also schwierig.

Man werde schon zu einer gemeinsamen Verteidigung finden, ist sich der Chef der belgischen Armee sicher. Das erforderten nämlich die budgetären Zwänge. Man käme in diesem Bereich voran, denn die EU-Außenbeauftragte, Federica Mogherini, leiste ganze Arbeit. Allerdings sei die europäische Verteidigung "noch nicht für morgen".

„Ich glaube an eine europäische Verteidigung, an die Durchführung gemeinsamer Manöver und Einsätze mit dem gleichen Material, ja. Allerdings glaube ich nicht an eine europäische Armee unter gleicher Flagge, wie in den USA."