Akte Mehdi Nemmouche aus dem Büro eines Anwalts gestohlen

Am Dienstagabend ist die Akte Mehdi Nemmouche (Zeichnung) aus dem Kabinett eines Anwalts gestohlen worden. Nemmouche steht gerade vor Gericht als mutmaßlicher Haupttäter beim Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel im Mai 2014. Der Diebstahl wurde inzwischen gegenüber unserer Redaktion bestätigt. Der oder die Einbrecher ließen nach dem Überfall in dem Anwaltsbüro eine Nepp-Kalaschnikow und einen Baseballschläger zurück. 

Der Einbruch fand am Dienstagabend in der Kanzlei des Anwalts Vincent Lurquin statt. Dieser ist juristischer Beistand eines Zeugen, im Nemmouche-Schwurgerichtsprozess, der die tödlichen Schüsse im Jüdischen Museum gehört hatte.

Anwalt Lurquin fand nach dem Einbruch in seinem Büro in der Brüsseler Gemeinde Sint-Agatha-Berchem einen Baseballschläger und eine nachgemachte Kalaschnikow. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Einbruch, Diebstahl und Bedrohung eingeleitet.

Derzeit wird versucht, die Identität des oder der Täter herauszufinden. Auf jeden Fall wurden bei den Einbruch ein Computer und zwei vollständige Dossiers gestohlen. Eines dieser Dossiers ist die komplette Akte Nemmouche. 

Bei der zweiten gestohlenen Akte soll es sich ebenfalls um einen Fall in Zusammenhang mit einem Terrordossier handeln. Hierbei geht es um den Fall Abdelkader Belliraj. Dieser war ein Informant der belgischen Staatssicherheit.

Allerdings wurde Belliraj in Marokko zu lebenslanger Haft wegen Terrorismus verurteilt. Anwalt Lurquin war in diesem Fall der Rechtsbeistand von Belliraj. Er soll in 1989 in Brüssel den jüdischen Arzt Joseph Wibran, damals Vorsitzender des Koordinationsorgans der Jüdischen Verbände in Belgien, auf offener Straße erschossen haben.  Belliraj gestand zudem fünf weitere Morde, zog dieses Geständnis später aber wieder zurück. 

Ob es zwischen diesem Vorfall und dem Diebstahl einer externen Festplatte eines Gerichtsmediziners, auf der ebenfalls Fakten bezüglich des Prozesses um den Anschlag auf das Jüdische Museum aber auch zu den Opfern der Attentate auf Brüssel und den Flughafen vonn Zaventem gespeichert waren, ist unkar. Auch hier müssen die Ermittlungen weiteren Aufschluss bieten.

"Wir dürfen keine Angst haben"

Anwalt Vincent Lurquin (Foto unten) sagte am Mittag gegenüber VRT NWS: „Wir dürfen keine Angst haben. Man erschreckt sich natürlich, wenn man eine nachgemachte Waffe auf seinem Schreibtisch findet, wie die im Prozess beschriebene. Die Botschaft ist deutlich. Sie wollen, dass wir stoppen. Doch wir wollen nicht stoppen. Das ist die Botschaft, die wir geben. Der Prozess muss ruhig weitergehen, ohne Angst. Diese Bedrohung darf auf den Prozess keinen Einfluss haben, weder auf uns, noch auf die Geschworenen. Sonst gewinnen sie. Und das will ich nicht.“ 

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