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Einzelhandel: Stehen Ruhetag und Ladenschlusszeiten auf der Kippe?

Zwei Abgeordnete der flämischen Nationaldemokraten N-VA wollen in dieser Woche im belgischen Bundesparlament einen Gesetzesvorschlag einreichen, mit dem die Ladenschlusszeiten und der verpflichtete Ruhetag im Einzelhandel wegfallen sollen. Solch ein Vorhaben ist in Belgien schon einmal gescheitert, nicht zuletzt, weil die Unternehmer- und Einzelhandels-Verbände hierzulande dafür nicht zu haben sind.

Heute dürfen Einzelhandelsgeschäfte in Belgien unter normalen Umständen von morgens ab 5 Uhr bis abends um 20 Uhr geöffnet sein. Zudem muss jedes Geschäft einen Tag in der Woche Ruhetag haben. Ausgenommen davon sind Geschäfte, die in den sogenannten „touristischen Zentren“ liegen, z.B. in Brügge oder in bestimmten Küstenbadeorten. Längere Öffnungszeiten sind bisher hierzulande nur an Freitagen (bis 21 Uhr) oder an Wochentagen vor einem Feiertag.

Die N-VA will jetzt erreichen, dass die Ausnahmen im Einzelhandel zur Regel werden, sprich, dass alle Läden jeden Tag bis 21 Uhr geöffnet haben und dass der verpflichtete wöchentliche Ruhetag wegfällt. Dazu dienen die beiden N-VA-Kammerabgeordneten Valerie Van Peel und Werner Janssen in dieser Woche im belgischen Bundesparlament einen entsprechenden Gesetzesvorschlag ein.

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Einzelhandels-Verbände nicht begeistert

Nach Ansicht der beiden N-VA-Abgeordneten würde dies für mehr Freiheit der Händler und Geschäftsleute sorgen, für mehr Jobs und mehr Flexibilität sowie für mehr Umsatz sorgen. Nicht zuletzt, so Van Peel und Janssens, hätten die Kunden einen besseren Ausgleich zwischen Job und Privat- oder Familienleben: „Die Zahl der Haushalte mit zwei Einkommen steigt, wodurch ein Ausgleich zwischen Arbeit und Haushalt für viele Familien eine Herausforderung ist.“ Für diese Art der Flexibilität könnte die Regierung sorgen, wenn sie die Läden länger und öfter offen lasse, so die N-VA-Politiker in der flämischen Sonntagszeitung De Zondag.

Der belgische Einzelhandelsverband NSZ und der Unternehmerverband Unizo für Flandern und Brüssel halten nichts von diesem Vorschlag. Beide Verbände lehnten bereits 2015 einen ähnlichen Antrag der flämischen Liberalen Open VLD ab, nach dem die Geschäfts täglich bis 22 Uhr geöffnet sein sollten. 

„Die Verbraucher können ihren Euro nur einmal ausgeben. Das sorgt also nicht für mehr Umsatz, sondern lediglich für ein anderes Kaufverhalten.“

Christine Mattheuws, Vorsitzende des Einzelhandels-Verbands NSZ

Unizo-Vorstand Danny Van Assche sagte dazu, dass eine Umfrage 2018 ergeben habe, dass 70 % der Geschäftsleute gegen solch ein Vorhaben sind und dass nicht wenige von ihnen noch nicht einmal von möglichen Ausnahmen Gebrauch mache.

Die NSZ-Vorsitzende Christine Mattheuws wartet mit zwei Argumenten dagegen auf: „Durch den Engpass am Arbeitsmarkt ist es schon jetzt nicht einfach, geeignetes Personal zu finden und schon gar nicht zu atypischen Arbeitszeiten. Und die Verbraucher können ihren Euro nur einmal ausgeben. Das sorgt also nicht für mehr Umsatz, sondern lediglich für ein anderes Kaufverhalten.“

NICOLAS MAETERLINCK

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