Foto: VRT

Flämische Wissenschaftler finden Link zwischen Depressionen und der Darmflora

Einem Team von Wissenschaftlern aus dem belgischen Bundesland Flandern ist es gelungen, den Zusammenhang von mentaler Gesundheit und Problemen mit der Darmflora zu erkennen. Damit kann bewiesen werden, was schon lange wissenschaftlich und medizinisch vermutet wurde.

Bakterien in der Darmflora können Menschen krank machen. Das ist nichts neues. Doch dass ein solches Problem tatsächlich Auswirkungen auf die Psyche hat, wurde bisher lediglich vermutet. Jetzt ist flämischen Wissenschaftlern gelungen, diesen Zusammenhang zu belegen.

Dazu untersuchten Forscher des Flämischen Instituts für Biotechnologie (VIB) und der Löwener Universität (KU Leuven) schon seit 2012 den Stuhlgang von rund 5.000 Personen, Ehrenamtliche, die einem Aufruf zur Mitarbeit des Flämischen Darmflora Projekts (VDP) gefolgt waren.

In der vorliegenden Frage geht es um zwei bestimmte Bakterien, Dialister und Coprococcus. Diese Bakterien haben gemein, dass sie Stoffe entwickeln, die Entzündungen unterdrücken. Bisher wussten Wissenschaft und Medizin, dass Depressionen auch mit Entzündungen des Nervensystems zusammenhängen. Deshalb vermuteten die Forscher auch einen Zusammenhang zwischen einer Darmentzündung und einer Nervenentzündung, die mit einer Depression einhergeht. 

Neurotransmitter

Jetzt ist gelungen, über Computertechniken Bakterien zu identifizieren, die mit dem menschlichen Nervensystem zusammenarbeiten können. Das ist der Fall bei den Bakterien der Typen Dialister und Coprococcus, wie der beiden Instituten verbundene Professor Jeroen Raes dazu erklärte: „Viele Darmbakterien können chemische Stoffe produzieren, die auf unser Nervensystem Einfluss haben. (…) Das sind sogenannte Neurotransmitter. Unserer Theorie zufolge ist das die Art und Weise, über die Darmbakterien unser Verhalten beeinflussen können.“

Jetzt sollen Medikamente entwickelt werden, deren Basis solche Neurotransmitter sind. Ein wichtiges Detail müssen die Wissenschaftler aber noch klären: Hat eine gestörte Darmflora eine Depression als Folge oder löst eine Depression Probleme mit der Darmflora aus.

Professor Raes ist der Ansicht, dass ersteres der Fall ist: „Wir sehen bereits bei Experimenten mit Mäusen, dass eine veränderte Darmflora Verhaltensänderungen verursacht. Ob das bei Menschen auch so ist, wissen wir aber noch nicht. (…) In Zukunft versuchen wir bei Patienten mit einer Depression fehlende Bakterien anzubringen. Das wäre dann eine neue Generation Probiotika.“