Bpost verlangt künftig doch keine 50 Cent fürs Abheben am eigenen Geldautomaten

Bezahlen, um am Geldautomaten Geld abzuheben, ist bei einigen Banken für Auszahlungen von einem anderen Geldinstitut bereits gang und gäbe. Die belgische Postbank Bpost wollte jedoch künftig einen Betrag von 50 Cent pro Bankauszahlung, auch an eigenen Geldautomaten verlangen. Diese Entscheidung hat sie nun revidiert.

Inhaber eines b.compact-Kontos, einer Art Girokonto, haben ab dem 18. März nur noch Anspruch auf eine kostenlose Auszahlung pro Monat, hieß es an diesem Freitagmorgen. Alle weiteren Auszahlungen würden den Bpost-Kunden 50 Cent kosten, selbst dann, wenn sie das Geld an einem Bpost-Automaten abheben.

Damit verstößt Bpost gegen die Vereinbarung, die die Banken 2004 mit dem Bankendachverband Febelfin geschlossen hatten. Nach der Vereinbarung müssen 24 Auszahlungen pro Jahr an den bankeigenen Automaten kostenlos sein. Diese Zahl wurde auf der Grundlage der durchschnittlichen Anzahl von Auszahlungen pro Jahr ermittelt. In der Praxis erheben einige Banken nur Gebühren für eine Geldautomatenabhebung von einer anderen Bank. Die Gebührenerhebung der Bpost-Bank für Abhebungen an hauseigenen Automaten entspräche also nicht dieser Vereinbarung.

Inzwischen hat Bpost bekannt gegeben, dass die Postbank die Tarifänderung nicht durchführe.

Stiftung Warentest reagierte empört

Das sei noch nie zuvor in Belgien vorgekommen, hatte Test Aankoop (dt.: Stiftung Warentest) auf die Ankündigung am Morgen reagiert. Für Julie Frère, Sprecherin des Verbraucherschutzverbandes, habe Bpost mit diesen Auszahlungsgebühren beim b.compact-Konto eine rote Linie überschritten. Damit stelle man die Welt wirklich auf den Kopf. „Um einfach Ihr Geld wiederhaben zu können, um also das Geld, das Sie Ihrer eigenen Bank anvertraut haben, abzuheben, müssen Sie bezahlen", sagte sie dem französischsprachigen Sender RTBF.

Die Stiftung Warentest hat keinen Zweifel. Mit dieser Vorgehensweise würden Banken ihre Kunden in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft zwängen, in der alles nur noch elektronisch erfolge, so auch der Sprecher Simon November gegenüber dem VRT-Radio.

"Vielleicht entwickeln wir uns in diese Richtung, aber es geht sehr schnell. Die Banken ziehen an den Leuten vorbei.“

Der Verbraucherverband forderte die Banken auf, die kostenlose Geldabhebung an ihren eigenen Automaten zu garantieren und wenigstens fünf kostenlose Abhebungen im Monat von den Konkurrenten zuzulassen.