Nationaler Streik: Leere Flughäfen, deutlich weniger Züge und blockierte Industriegebiete

Seit 22 Uhr am Dienstagabend streiken die belgischen Gewerkschaften gegen die Tatsache, dass die Löhne und Gehälter in der Privatwirtschaft aufgrund einer gesetzlichen Regelung nur um 0,8 % für den Zeitraum 2019-2020 steigen dürfen. Entsprechende Tarifverhandlungen waren Ende 2018 gescheitert, als die Gewerkschaften unzufrieden die Gespräche abbrachen. Inzwischen zeigt sich, dass dieser landesweite Streik gut befolgt wird.

In Gent ist es in einem Gewerbegebiet in der Nähe der Ghelamco Arena, das Fußballstadion von AA Gent, zu einem Zwischenfall gekommen. Dort fuhr ein verärgerter Autofahrer in eine Gruppe von Streikposten, die den Zugang zu dem Areal blockierten. Dabei wurden zwei Gewerkschaftler leicht verletzt. Der Autofahrer konnte festgenommen werden.

In Houthalen-Helchteren in der Provinz Limburg kam es zu einem weiteren Unfall. Hier fuhr ein Unternehmenschef einen streikenden Gewerkschafter an. Danach entstand ein heftiger Streit, den die herbeigerufene Polizei schlichten musste. Der angefahrene Streikposten trug leichte Verletzungen am Knie davon und begab sich selbst in ein Krankenhaus. 

Leere Flughäfen

Besonders auffallend ist an diesem nationalen Streiktag wohl, dass alle Flughäfen leer sind - alleine am Brussels Airport sind rund 600 Flüge gestrichen. Das liegt nicht nur daran, dass auch die Beschäftigten in den Flughäfen und bei den Fluggesellschaften streiken, sondern auch an der Tatsache, dass die Fluglotsen der Flugsicherung Skeyes (früher Belgocontrol) die Arbeit niedergelegt haben. Das bedeutet, dass der komplette Luftraum über Belgien für jeglichen Flugverkehr gesperrt ist. Die meisten Reiseveranstalter sind auf Flughäfen in Frankreich, Deutschland oder in den Niederlanden ausgewichen.

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Leerer Luftraum über Belgien

Bei der belgischen Bahn sollen nach Angaben der NMBS/SNCB etwa die Hälfte aller Züge fahren. Bei Bussen und Bahnen sieht die Sache ganz anders aus. Bei der MIVB/STIB in Brüssel, bei De Lijn in Flandern und bei TEC in der Wallonie blieb der überwiegende Teil der Fahrzeuge in den Depots, gut bewacht von Streikposten. In den Häfen, z.B. in Gent und Antwerpen bewegt sich ebenfalls nicht viel. Hier sorgen mobile Streikposten für Blockaden aller Art.

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Bahnhof Gent-Sint-Pieters
Depot von De Lijn in Berchem/Antwerpen

Das betrifft auch viele Gewerbegebiete, Industriezonen und Großunternehmen. Doch z.B. bei Atlas Copco und bei Coca Cola in Wilrijk (Antwerpen) oder bei Agfa in Mortsel (ebenfalls Antwerpen) streikt fast die gesamte Belegschaft. In der flämischen Provinz Limburg sind die Industriegebiete Genk-Noord, Houthalen-Zuid und Tongeren-Oost abgesperrt. Arbeitswillige können höchstens zu Fuß ihre Firmen erreichen. 

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Streiksplitter

In vielen Bildungseinrichtungen, in denen die Lehrer streiken, werden die Kinder aufgefangen, deren Eltern zur Arbeit gehen konnten. Der Streik ist in flämischen Bildungswesen weniger stark zu spüren, als in den Schulen in der Brüsseler Hauptstadtregion. In Antwerpen ist der Streik in den Schulen eher gut befolgt. In Gent ist davon der kommunale Schulträger betroffen.

Weitere Unternehmen, in denen die Arbeit niedergelegt wurde: Volvo Cars in Gent, die AB InBev-Brauereien in Löwen und Hoegaerden in Flämisch-Brabant und in Jupille bei Lüttich, rund 300 Betriebe im Genter Hafen North Sea Port, Stahlkonzern ArcelorMittal in Gent und Lüttich sowie landauf landab über 100 Supermärkte. Auch in vielen kommunalen Einrichtungen wird gestreikt und viele Museen bleiben an diesem Mittwoch geschlossen. Vereinzelt fahren auch die Müllwagen nicht aus. 

Zwei Drittel der Gefängniswärter hatten ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Vereinzelt sorgten Gerichtsvollzieher mit der Androhung hoher Zwangsgelder gegenüber Streikposten dafür, dass der Zugang zu einzelnen Unternehmen oder Gewerbegebieten freigegeben wurde. 

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