Prinz Laurent sprach zum ersten Mal öffentlich über die Libyen-Affäre

Prinz Laurent (Foto) hatte unlängst per Brief an die Regierung Michel gefordert, dass man ihm dabei helfen soll, seine 50 Mio. € Investition in Libyen zurückzuholen. Der Bruder von König Philippe hatte dort 2008 einen Vertrag für ein Projekt unterschrieben, mit dem die Wüste mit Bäumen bepflanzt werden sollte. Doch die Rebellion gegen den damaligen Diktator Gaddafi ließ das Vorhaben platzen und das Geld verschwand. In der VRT-Sendung „Pano“, die am Mittwochabend gesendet wurde, sprach der Prinz zum ersten Mal öffentlich über diesen Vorgang.

Vor etwa zwei Wochen wurde bekannt, dass Prinz Laurent Premier Michel einen geharnischten Brief geschrieben hatte, in dem er sich darüber beklagte, dass ihm in Belgien niemand dabei helfe, das Geld, was ihm Libyen noch schuldig sei, wiederzubekommen. Gegenüber der „Pano“-Redaktion sagte Laurent dazu: „Das war das Projekt meines Lebens. Ich wollte sogar mit meiner Familie für die Dauer von 15 Jahren nach Tripoli umziehen. Ich hatte schon eine Wohnung gefunden. Meine Kinder lernten schon Arabisch und sie fanden das toll.“

Doch als die Libyer den Stecker aus dem Projekt zogen, ging der Prinz den Rechtsweg. Ein Richter urteilte, dass Prinz Laurent ein Anrecht auf fast 50 Mio. € habe, doch Libyen weigerte sich, dieses Geld zu überweisen. Doch als er die belgische Regierung darum bittet, ihm zu helfen, stieß er auf taube Ohren. Im Gegenteil. Die Regierung rät ihm, keine Probleme zu bereiten, denn einige belgische Unternehmen hätten noch offenstehende Rechnungen in Libyen…

Prinz Laurent fühlt sich von der Regierung und von den Behörden seines Landes diskriminiert: „Ich finde das unbegreiflich. Diese Unternehmen hatten kein Urteil, meine Organisation aber wohl. Überdies waren da Waffenhersteller bei, während sich meine Organisation für allgemeine Belange einsetzte. Dann stellt man sich doch Fragen!“ Laurent bemerkte auch, dass sich einige „zwielichtige Gestalten gemeldet hätten, die ihm Hilfe gegen „Schmiergeld“ angeboten hätten.

„Das war das Projekt meines Lebens. Ich wollte sogar mit meiner Familie für die Dauer von 15 Jahren nach Tripoli umziehen. Ich hatte schon eine Wohnung gefunden. Meine Kinder lernten schon Arabisch und sie fanden das toll.“

Prinz Laurent in der VRT-Sendung „Pano“

Mit dem Schreiben an den Premier vor zwei Wochen zeigte er, dass er sich nicht geschlagen geben will. Eigentlich wollte er dies sogar nicht publik machen: „Wir haben alles daran gesetzt, dafür zu sorgen, dass dies mit äußerster Diskretion behandelt werden sollte, doch wir haben niemals eine Antwort erhalten, niemals Unterstützung.“ Seit vier Jahren verhandelt der Prinz in dieser Angelegenheit, ohne jeden Erfolg, wie er gegenüber „Pano“ erzählte.

In seinen Bemühungen ist Prinz Laurent übrigens auf einige Ungereimtheiten gestoßen. Seit dem Sturz von Gaddafi 2011 sind in Belgien 14 Mia. € in libyscher Währung infolge von UN-Sanktionen in eingefroren. Doch die Zinsen auf dieses Kapital wurden sehr wohl freigegeben. Der Königsbruder stellt sich auch hier Fragen und wirft sowohl den Vereinten Nationen, als auch dem belgischen Staat in dieser Sache vor, die eigenen Sanktionen zu unterminieren.

Dass der Prinz dabei denkt, dass das Gesetz nicht für jeden gleich zu sein scheint, mag verständlich erscheinen. Die Justiz habe ihre Arbeit getan, so Laurent, jetzt sei es an der Politik, dieses Urteil zu befolgen. Inzwischen setzt sich der parlamentarische Finanzausschuss mit diesem Thema auseinander. Den Vorsitz führt der langjährige Parlamentsabgeordnete Eric Van Rompuy (CD&V). Dieser sagte gegenüber „Pano“ dazu: „Ich habe hierbei ein unbehagliches Gefühl.“  

Staatsaffäre?

Die Frage ist jetzt, ob der Prinz mit seiner Angelegenheit eine Staatsaffäre losgelöst hat? Von den in Belgien eingefrorenen 14 Mia. € wurden im Laufe der Jahre rund 2 Mia. € an Zinsen oder Rendite freigegeben. Doch wohin floss dieses Geld? Ging es zurück an Libyen? Bekam der Staat dieses Geld? Floss es an Kriminelle oder an Umstürzler? Wurden gar Waffen damit finanziert?

Im Finanzausschuss des belgischen Bundesparlaments werden jetzt Stimmen laut, die mehr wissen wollen. Und sie wollen wissen, wer die Freigabe dieser Gelder angeordnet hat. Zielscheibe der Vorwürfe sind die beiden Politiker Didier Reynders (MR), früher Bundesfinanzminister und heute Belgiens Außenminister, und der frühere Außen- und Finanzminister Steven Vanackere (CD&V). Beide waren seinerzeit für solche Fragen zuständig.

Sie verweisen darauf, dass dies Sache von Finanzbeamten bei der Europäischen Union gewesen sei. Dazu gibt es aber nirgendwo irgendwelche Akten, so die recherchierenden Medien VRT, RTBF und Le Vif/L’Express. Ein hoher belgischer Finanzdirektor gab dazu lediglich an, dass solche Vorgänge niemals ohne Einverständnis der politischen Ebene laufen können. 

Weitere Nachrichten