Soll der Denkmalschutz für die Kohlenwäsche der alten Zeche von Beringen zurückgezogen werden?

In Beringen in der Provinz Limburg, im Umfeld des dortigen Bergbaumuseums auf dem Gelände der ehemaligen Zeche, soll mindestens eine der insgesamt vier Kohlenwäschen abgerissen werden, um Platz für ein Immobilienprojekt zu machen. Dagegen regte sich schon vor rund einem Jahr Protest von Seiten der Denkmalschützer. Jetzt will die Stadtverwaltung von Beringen prüfen, ob man den Denkmalschutz für einen Teil des Gebäudekomplexes zurückziehen kann. Hier wird als Grund angeführt, dass eine Instandhaltung sehr teuer wäre. 

Die Stadt Beringen hat eine öffentliche Untersuchung eingeleitet, um den Denkmalschutz für einen Teil der gigantischen Kohlenwäscher auf dem Gelände der ehemaligen Zeche aufheben zu können. Dabei soll auch die Meinung der Bevölkerung eingeholt werden. Für diese Kohlenwäsche gilt bereits seit 1994 Denkmalschutz, doch jetzt will Flanderns Ministerpräsident und Landesdenkmalschutzminister Geert Bourgeois (N-VA) auf Drängen des Projektentwicklers be-Mine einen Teil dieser Unterschutzstellung wieder zurückziehen.

Seiner Ansicht nach befindet sich die Kohlenwäsche 1 in einem unrettbar baufälligen Zustand und auch die Kohlenwäsche 3 sei in einem schlechten Zustand. Die Kosten, diese Gebäude zu bewahren, seien zu hoch. In kommunalpolitischen Kreisen in Beringen könnte dieser Vorstoß Zustimmung finden, doch Bürgermeister Thomas Vints (CD&V) will die Bevölkerung seiner Stadt in die Überlegungen mit einbeziehen.

In der kommenden Woche, am 25. Februar, organisiert er im Bürgerheus „Kardijk“ in Beringen eine öffentliche Anhörung, um das ministerielle Vorhaben zu verdeutlichen. Bürgermeister Vints hält eine öffentliche Debatte für wichtig: „Wir wollen Klarheit in diesem Vorgang schaffen und wir sind für Fragen und Empfehlungen offen.“

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Andere Vorhaben

Projektentwickler be-Mine hat auf dem Gelände der Kohlenwäsche 1 der Zeche Beringen viel vor, doch, wie oben angegeben, steht diese Kohlenwäsche unter Denkmalschutz. Allerdings haben verschiedene Organisationen, die sich mit Denkmalschutz befassen, bzw. die sich um solche Objekte kümmern, ein Problem damit und deuteten bereits vor rund einem Jahr an, entsprechende Verfahren und Vorhaben anfechten zu wollen.

Vor ebenfalls rund einem Jahr erteilte die Provinz Limburg be-Mine die Abrissgenehmigung für die Kohlenwäsche 1, trotz Denkmalschutz. Die Provinz argumentierte schon damals mit Argument, dass es zu teuer sei, alle vier zugegeben enorm großen Kohlenwaschanlagen der ehemaligen Zeche in Beringen zu restaurieren und zu unterhalten.

Dem wiedersprach seinerzeit Paul Boutsen von der flämischen Denkmalschutzvereinigung vzw Het Vervolg gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2 Limburg: „Was ist teuer? Ich habe noch keine einzige Studie gelesen, in der eine echte Berechnung einer Restaurierung aufgestellt wurde. Und ich habe noch keine einzige Studie in Zusammenhang mit einer eventuellen anderen Nutzung dafür gesehen.“

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„Europa Nostra“

Es könne nicht sein, so Boutsen weiter, dass ein Gebäude, das zudem von der EU-Denkmalschutzbehörde „Europa Nostra“ als besonders schützenswert erachtet wird, abgerissen werden soll: „Dazu sind 1994 deutliche Absprachen getroffen worden. Die Kohlenmine von Beringen ist vollständig geschützt, damit zumindest eine komplette Anlage (in Flandern bzw. in Limburg (A.d.R.)) erhalten werden kann. Und bei den anderen Zechengeländen in Limburg sollen demnach nur die markantesten Gebäude stehen bleiben. Und jetzt nimmt man dies zurück.“

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Geschichte und europäischer Denkmalschutz

Die Zeche in Beringen war eine der wichtigsten und eine der letzten der insgesamt sieben Zechen in der früheren Bergbauprovinz Limburg. Sie wurde 1989 als vorletzte ihrer Art in Belgien geschlossen. Schon in den 1990er Jahren wurden diese aus mehrheitlich den 1920er Jahren (seit 1922 wurde hier Steinkohle gefördert) stammenden Gebäude aus Ziegelstein und Stahl unter Denkmalschutz gestellt und 2003 trafen die Behörden im belgischen Bundesland Flandern den Beschluss, diese zu restaurieren. Dies erwies sich als sehr teuer und nur einige Bereiche der Zeche von Beringen wurden renoviert.

Dort ist heute auch das belgische Bergbaumuseum untergebracht. Doch auch die bisher nicht restaurierten Gebäude der Zechenanlage sind wichtige Zeugen der hiesigen Bergbaugeschichte, vor allem die monumentale Kohlenwäsche ist nach Ansicht von Fachleuten unentbehrlich, um die Arbeit der Kumpels von damals nachvollziehen zu können.

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Wichtiges Industriedenkmal

Der Plan, einige Nebengebäude abzureißen, um sich auf die wichtigsten Bauten zu konzentrieren, ist nicht neu. Doch die Flämische Vereinigung für Industrielles Kulturerbe meldete die Vorgänge schon vor Jahren der europäischen Kulturerbe-Einrichtung „Europa Nostra“, ein 1963 gegründeter europäischer Denkmalschutz-Verbund mit Sitz in Den Haag. Dieser vertritt die Interessen von mehr als 400 Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) und Privatpersonen aus 45 Ländern gegenüber der Europäischen Union, dem Europarat und der UNESCO.

„Europa Nostra“ nahm die Zeche von Beringen und im Besonderen die dortige Kohlenwäsche in die Liste der am stärksten bedrohten Industrie- und Architekturdenkmäler auf. Schon dies könnte bei der Restaurierung helfen, denn Europa Nostra will als Katalysator für Denkmalschutzprojekte fungieren. Diesen Umstand werden die Denkmalschützer bei den anstehenden Anhörungen wohl unterstreichen. 

HANS PUT