Yorick Jansens

Antwerpens Polizei geht weiter gegen einen kriminellen Clan vor

Schon in den beiden vergangenen Wochen durchsuchte die Antwerpener Polizei dutzende Häuser und Wohnungen im Rahmen von Ermittlungen gegen einen kriminellen Familienclan, der aus assyrischen Christen aus der Türkei besteht. Auch in dieser Woche gab es wieder Razzien gegen die „Clan Y.“ genannte Organisation, die im Verdacht steht, Drogenhandel und Drogenschmuggel zu betreiben und mit Waffen und gefälschten Dokumenten zu handeln. Hinzu kommt noch Bestechung von Beamten und Polizisten. Doch es mangelt auch nicht an Kritik gegen Polizei und Justiz. Gehen die Behörden gegen „die Richtigen“ vor? 

Am Dienstag wurden sieben Personen festgenommen und an den Tagen davor gab es 17 Verhaftungen. Gegen 16 Verdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Ein Polizist, der wegen des Verdachts der Bestechung ebenfalls festgenommen wurde, musste wieder freigelassen werden. Bei seiner Verhaftung wurde ein Verfahrensfehler begangen. Das bedeutet aber nicht das Ende der Ermittlung gegen den Beamten.

Die Antwerpener Polizei ermittelt bereits seit November 2017 gegen den „Clan Y.“, der sich zwar ausbreiten konnte, der aber durch einen internen Machtkampf in den Fokus der Polizei geriet. Dieser Familienclan hat übrigens enge Verbindungen zu einer Organisation, die teilweise gegen horrende Summen sogenannte „Humanitäre Visa“ für assyrische Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak zur Einreise nach Belgien verkaufte. Darin sind auch ein N-VA-Politiker christlich-syrischer Abstammung und dessen Sohn verwickelt.

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Welche Rolle spielt der „Clan Y.“ noch in Antwerpen?

Nach Angaben des Justizjournalisten Joris van der Aa von der flämischen Tageszeitung Gazet Van Antwerpen spielt der „Clan Y.“ in Antwerpen schon seit rund anderthalb Jahren keine gewichtige Rolle mehr in der Kriminalität in der Hafen-Metropole. Seiner Ansicht nach gelingt es Justiz und Polizei in Antwerpen nicht mehr, gegen die richtig großen Syndikate vorzugehen.

Van der Aa spart nicht mit Kritik an den Behörden: „Das ist kein gutes Beispiel für einen effektiven Kampf gegen den Kokainschmuggel.“ Die Polizei wisse bereits seit 2011 von den Machenschaften des „Clan Y.“ doch ging entsprechenden Hinweisen zunächst nicht nach. Erst als im November 2017 ein Clan-Mitglied auf offener Straße in Antwerpen niedergeschossen wurde, nahm die Polizei Ermittlungen auf, die jetzt in den verschiedenen Razzien und Verhaftungen ersichtlich werden.

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Stößt die (Antwerpener) Polizei an ihre Grenzen?

Der Gazet Van Antwerpen-Journalist sparte gegenüber VRT NWS nicht mit Kritik an Staatsanwaltschaft und Polizei in der Stadt: „Ich kann lediglich feststellen, dass nicht überall in gleichem Maße durchgegriffen wird und dass mal sich in der Region Antwerpen mit weniger großen Akteuren zufrieden gibt. In Hasselt gelingt es zum Beispiel, solche großen Mitspieler auszuschalten.“ In Hasselt in der Provinz Limburg hat es in der jüngeren Vergangenheit schwere Schläge gegen kriminelle Kreise, z.B. italienische Drogenmafiosi oder Motorrad-Rockergangs gegeben.

Die Frage steht im Raum, ob die Antwerpener Justiz nicht wirklich auf die große Kriminalität zielt: „Vielleicht zielen sie trotzdem darauf, doch es gelingt ihnen nicht. Das Problem ist in den vergangenen Jahren größer geworden. (…) Das Kokain kommt noch immer hier an und es gibt Leute, die noch immer sehr reich damit werden.“

Von großen Erfolgen von Seiten der Polizei könne hier nicht die Rede sein. Andere Kritiker werfen Polizei und Justiz in ganz Belgien vor, zu wenig gegen das organisierte Verbrechen zu unternehmen. Durch die Tatsache, dass große Teile von Polizei und Justiz in Terrorismus-Dossiers ermitteln müssen, habe die Maffia (Italiener, Albaner, Türken, Tschetschenen, Chinesen, Russen…) landauf, landab freie Bahn… 

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