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Flüchtlingsverbände fordern ein Auffangzentrum für Transitmigranten in Brüssel

Brüssel brauche dringend und schnell ein offenes Auffangzentrum für die Transitmigranten im Umfeld des Nordbahnhofs und des nahegelegenen Maximilianparks. Dies fordern Hilfsorganisationen, wie Ärzte ohne Grenzen oder das Flüchtlingswerk Flandern, in einer gemeinsamen Stellungnahme. Belgiens Ministerin für Asyl und Einwanderung, Maggie De Block (Open VLD), hält nichts von dieser Idee. 

In einem solchen offenen Auffangzentrum sollen die Flüchtlinge und Transmigranten eine Zeit lang ein Dach über dem Kopf finden, medizinische und psychologische Hilfe, sowie eine Möglichkeit, sich über ihre Lage und ihre rechtlichen Möglichkeiten zu informieren. Die Bewegung Ärzte ohne Grenzen hatte sich rund ein Jahr lang mit Betroffenen in der Umgebung des Brüsseler Nordbahnhofs befasst und diese zu deren Nöten und Sorgen befragt.

Heraus kam dabei, dass so gut wie alle dieser Transmigranten (so werden Flüchtlinge genannt, die über Griechenland oder Italien in die EU gelangen und dann via Belgien oder Frankreich versuchen, auf die britischen Inseln zu gelangen) traumatische Erfahrungen gemacht haben, aber keine diesbezügliche Hilfe bekommen.

Tomas Thiels von den Ärzten ohne Grenzen brachte es gegenüber VRT NWS auf den Punkt: „Jeder von ihnen ist ein Opfer von Gewalt. Sie flüchteten vor Hunger, Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat oder sie stießen auf Gewalt und Folter auf ihrem Weg durch die Wüste und durch Länder, wie beispielsweise Libyen, wo sie Opfer von Schleuserbanden wurden.“

Drama ohne Ende

Doch leider, so Thiels, der dort als Ehrenamtlicher stundenweise in einem Infoladen für solche Flüchtlinge tätig ist, sei dieses Drama auch dann nicht zu Ende, wenn sie in Europa angekommen sind. Auch hier finden sie kaum Hilfe und Schutz. Schätzungsweise halten sich in Belgien ständig etwa 700 bis 1.000 solcher Transitflüchtlinge auf. Sie halten sich hier illegal auf, weil sie in Griechenland oder Italien, ihren Ankunftsländern in der EU, registriert worden sind.

Sie leben hier in der Illegalität und wollen nach Großbritannien weiterreisen, weil die dies von Schleuserbanden und Menschenschmugglern schmackhaft gemacht bekommen. Hier wird ihnen ein Land beschrieben, in dem Milch und Honig fließen und in dem sie ohne Ausweisdokumente leben können. Dadurch bleiben die Flüchtlinge weiter auf diese Schleuser angewiesen.

Immer wieder werden sie bei ihren Versuchen, auf die Britischen Inseln zu gelangen, von der Polizei aufgegriffen und in geschlossenen Zentren untergebracht. Oder sie erhalten den Befehl, das Land umgehend zu verlassen und starten erneut Versuche, über dem Ärmelkanal zu gelangen.

"Gleiche Regeln für alle"

Ein offenes Auffangzentrum mit psychologischer und medizinischer Hilfe würde laut Ärzte ohne Grenzen und Flüchtlingswerk Flandern deutlich weniger Geld kosten als die zwangsweise Unterbringung in geschlossenen Zentren. Doch die Politik will davon nichts wissen.

Auch die zuständige Asyl- und Einwanderungsministerin nicht, wie aus deren Kabinett dazu am Mittwoch gegenüber VRT NWS verlautete: „Transmigranten können, wie alle anderen Flüchtlinge auch, hier Asyl beantragen und dieses Verfahren durchlaufen. Dann hören sie, ob sie bleiben dürfen oder das Land verlassen müssen. Die Regeln gelten für alle.“ 

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